Was wäre, wenn wir den Klimawandel endlich ernst nehmen würden?

Portrait DGNB Präsidiumsmitglied Prof. Dipl.-Ing. Matthias Rudolph
Wenn mit „wir“ die globale Gesellschaft gemeint ist, dann würden wir respektvoll und weitsichtig miteinander und unserem Planeten umgehen. Bei diesem vereinenden Wertewandel könnte der fortschreitende Trend des Nationalismus durch einen ökologischen Globalismus abgelöst werden.
Prof. Matthias Rudolph
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart | Transsolar

In Berlin ein Klima wie in Italien, in Paris wie in Saudi-Arabien. Es ist egal, welche Prognosen Sie heranziehen: Der Klimawandel findet statt. Und wenn wir ehrlich sind, dann nehmen wir alle die Veränderungen schon wahr, die sich in zunehmenden Extremwetterereignissen manifestieren. Offensichtlich brauchen wir jedoch Schreckensmeldungen wie die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021, um wenigstens kurzfristig den Ernst der Lage zu erkennen. Bevor alles wieder in Vergessenheit gerät und wir uns mit unserer Weiter-so-Mentalität vor herausforderndem Umdenken drücken. Gebäude können das nicht. Denn für sie hat der Klimawandel heute schon Konsequenzen. Sie sind Stresssituationen ausgesetzt, für die sie nicht gebaut worden sind. Deshalb bedarf es einer neuen Weitsicht in der Planung.

Gebäude müssen Klimaextremen trotzen

Warum das so ist, ist schnell erklärt: Die allermeisten Gebäude, die wir heute bauen, sollten auf eine Lebensdauer von 100 oder mehr Jahren angelegt sein. Die Bedingungen, unter denen sie künftig genutzt werden, werden sich von den heutigen stark unterscheiden. Die Gebäude müssen auf unterschiedliche Klimaextreme vorbereitet sein – auf Stürme, Starkniederschläge und Überschwemmungen ebenso wie auf Hitzewellen und Dürreperioden. Das erfordert zukunftsorientierte Klimaanpassungsstrategien: für Gebäude, die sich nicht aufheizen, obwohl es draußen 35 Grad heiß ist. Für Quartiere, die Wasser speichern, statt es abzuleiten. Für Städte, in denen es genug Schattenplätze gibt. Für begrünte Dächer, durchlässige Wege und Materialien, die nicht nachglühen. Klimaanpassung macht unsere gebaute Umwelt widerstandsfähiger. Und angenehmer. Für alle.

Resiliente Architektur braucht Mut

Hierfür braucht es nicht mehr Technik, die schlechte Gebäude heilt, sondern eine kluge Gestaltung. Mehr öffentliche Räume, die ganzjährig genutzt werden können. Und den Mut, neue Wege zu gehen: in der Architektur, in der Stadtplanung, in der Politik. Für all diejenigen, die Gebäude entwerfen oder bauen, ist diese zusätzliche Planungsperspektive heute vermutlich noch ungewohnt. Vielleicht müssen sie sich dafür sogar rechtfertigen. Diese Perspektive sorgt aber dafür, dass die Schlagzeilen über die Folgen des Klimawandels weniger dramatisch ausfallen werden. Denn eine resiliente Architektur ist so etwas wie der unbesungene Held der Nachhaltigkeit. Weil ihre positiven Effekte nur indirekt erfahrbar sind, ihre Bedeutung mit dem fortschreitenden Klimawandel aber immer größer wird.

Wäre es nicht schön, wenn all unsere Gebäude Sicherheit bieten würden, flexibel anpassbar wären und auch in ferner Zukunft noch nutzbar blieben?

Alnatura Arbeitswelt, Darmstadt

Die Alnatura Arbeitswelt ist ein Low-Tech-Gebäude, das ganzheitlich und hochwertig umgesetzt wurde. Die größte Stampflehmfassade Europas mit integrierter geothermischer Wandheizung wirkt sich positiv auf Resilienz, Behaglichkeit und Klimaschutz aus.

 

U-Halle, Mannheim

Die frühere Lagerhalle wurde in ein multifunktionales, veränderbares Gebäude umgewandelt, bei dem durch die Öffnung von Hallenabschnitten eine wichtige Kaltluftschneise aktiviert wurde. Durch Flächenentsiegelung und Begrünung stärkt der Funktionsbau zudem die Biodiversität am Standort.

Sie wollen selbst aktiv werden? Starten Sie hier:

Was wäre, wenn wir aufhören würden, unsere Vorstellung von moderner Architektur in die Welt zu exportieren?

Uniform Architecture, Resource Ignorance, Short-Term Responsibility, Car-Centric Urbanism und Social Ignorance: Das sind die „Principles of Failure“, die von der Initiative SHIFT ausgemacht wurden. Sie stellen die als modern propagierte Architektur in Frage, die in den letzten Jahrzehnten aus Industrieländern in alle Länder der Welt exportiert wurde. Ein berechtigter Punkt, oder halten Sie vollverglaste Hochhäuser in den heißesten Klimazonen der Erde für sinnvoll? Warum nicht stattdessen von den Erfahrungen und Prinzipien des Bauens im globalen Süden lernen?!

Mehr zu SHIFT erfahren

Was wäre, wenn wir Extremwetterereignisse konsequent in Planungen berücksichtigen würden?

Der Klimawandel schreitet voran. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit von Extremwetterereignissen und ihren katastrophalen Folgen. Aus Klimaprognosen und Extremwetterkarten lässt sich ableiten, wo es heute und in Zukunft kritisch wird und wo gezielte Maßnahmen zum Gegensteuern notwendig sind, um mögliche Schäden zu minimieren. Hitzeaktionspläne gehen noch weiter: Sie bringen Verwaltung, Planung und Gesundheitswesen rechtzeitig an einen Tisch, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Eine wichtige Präventionsmaßnahme, gerade für diejenigen, die sich nicht selbst helfen können.

Download Arbeitshilfe "Hitzeaktionsplanung für Kommunen"

Teilen Sie Ihre Gedanken!

Sie möchten Ihre Gedanken zum Thema oder der Ausstellung teilen? Dann nutzen Sie gerne die unten stehenden Visuals.

Sollten Sie einen Post bei LinkedIn planen, dann verlinken Sie uns auch sehr gerne! Zum DGNB Account

Bilddatei|png|Deutsch|1 MB

Klimaanpassung und Ressourcenschutz

Visual zur DGNB Ausstellung "What If: A Change of Perspective"
Bilddatei|png|Deutsch|894 KB

"What If: A Change of Perspective"

Visual zur DGNB Ausstellung bei Aedes


Zu den weiteren Themenfeldern der Ausstellung

Ihre Ansprechpersonen

Katrin Wolf

Katrin Wolf

Teamleiterin Messen, Veranstaltungen und Kooperationen

Paul Bandowski

Paul Bandowski

Projektleiter Content Creation