Was wäre, wenn jedes Gebäude sein Umfeld bereichern würde, ohne die Umwelt zu beeinträchtigen?

Portrait DGNB Präsidiumsmitglied Martin Haas
Unsere gebaute Umwelt ist Teil des Lebensraums, den wir mit allen Lebewesen teilen. Daher ist es sinnvoll, Architektur nicht als Gegensatz zur Natur zu begreifen, sondern Gebäude als integrale Bestandteile unserer natürlichen Lebensumgebung zu denken.
Martin Haas
haascookzemmrich STUDIO2050

Was hat die Mücke je für uns getan? So lautet der Titel eines Buchs der Biodiversitätsexpertin Frauke Fischer. Nicht viel, mögen Sie denken. Und genau hier liegt eine der größten Herausforderungen, wenn es um das Thema Biodiversität geht – auch im Bauen. Denn viele verbinden Artenvielfalt vielleicht mit Schmetterlingen auf Blumenwiesen oder Vogelgezwitscher im Wald. Aber mit Gebäuden? Oder dem eigenen Projekt und den darin verbauten Materialien? Dabei ist der Verlust der Artenvielfalt eines der größten globalen Probleme, das viel zu spät in die öffentliche Wahrnehmung gelangt ist. Ganze Ökosysteme geraten bereits aus dem Gleichgewicht. Und dies wird noch gravierender, wenn wir so weitermachen wie bisher. Mit weitreichenden Folgen: für unsere Ernährung, unser Wasser, unser Klima – und letztlich für unser eigenes Leben.

Außenanlagen schaffen Lebensräume

Der Bausektor spielt bei alldem eine zentrale Rolle. Aktuell leider meist negativ – durch Flächenversiegelung, Fragmentierung von Lebensräumen, Lichtverschmutzung oder den Raubbau an Ressourcen. Dabei gibt es rund um das Bauen zahlreiche Möglichkeiten, einen positiven Beitrag zu leisten. Und damit ist nicht gemeint, einfach ein Insektenhotel neben dem Haus aufzustellen. Es geht um die Gestaltung von Außenanlagen, die als Lebensräume für die heimische Flora und Fauna dienen. Um Dächer und Fassaden, bei denen die Möglichkeiten der Begrünung ausgeschöpft werden und die in Grünzügen miteinander in Verbindung stehen. Dass dies im Zusammenspiel mit Photovoltaik funktioniert, dafür gibt es genug nachahmenswerte Beispiele. Und auch die Frage, wo die eingesetzten Materialien herkommen und wie sie produziert wurden, ist relevant.

Grün will bedacht sein

Muss jetzt jeder Architekturschaffende zum Biodiversitätsexperten werden? Eine gewisse Grundkenntnis kann zumindest helfen. Denn gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Statt Effekthascherei mit aufsehenerregenden Installationen ist die angemessene, regional sinnvolle Integration von Grün das Credo. Dabei ist es gar nicht notwendig, alles bis ins Detail festzulegen. Im Gegenteil: Biodiversität braucht Freiheit, um sich zu entfalten. Das Gute bei alldem: Wer sich darauf einlässt, wird belohnt: mit angenehmerem Mikroklima, mehr Aufenthaltsqualität, resilienteren Quartieren. Und mit Orten, die sich gut anfühlen – bei uns und in anderen Teilen der Welt. Weil sie das Leben in vielerlei Hinsicht reicher machen.

Wäre es nicht schön, wenn all unsere Gebäude mehr wären als Fassade und Dach, sondern die Natur respektieren und Lebensräume stiften?

Hotel Wilmina, Berlin

Das ehemalige Frauengefängnis Hotel Wilmina ist beispielgebend für die Nachverdichtung im Gebäudebestand mit minimalem CO2-Fußabdruck bei Entsiegelung und Renaturierung von Flächen. Mit wenigen baulichen Eingriffen und maximalem Substanzerhalt ist es gelungen, einen ehemals beklemmenden Ort in einen innerstädtischen Ruheraum zu verwandeln.

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Was wäre, wenn Biodiversität für Planende mehr als ein Schlagwort wäre?

Wenn es um die Planung geeigneter Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt geht, reicht Halbwissen nicht aus. Es braucht Menschen, für die der Begriff invasive Arten kein Fremdwort ist. Die genau verstehen, wie sich Dächer und Fassaden sinnvoll begrünen und Außenanlagen naturnah gestalten lassen. Die Fortbildung zum DGNB Biodiversitätsmanager ist das passende Schulungsangebot hierfür. Für den Einstieg ins Thema hilft auch der Kriterienkatalog des DGNB Systems für biodiversitätsfördernde Außenräume.

Mehr zum DGNB System für biodiversitätsfördernde Außenräume
 

Was wäre, wenn wir unsere gebaute Umwelt als Lebensräume gestalten würden?

Begrünung hat das Potenzial, zum lebendigen Stadtbaustein zu werden. Sie speichert Wasser, filtert Feinstaub und schafft wertvollen Lebensraum für Tiere und Menschen. Außerdem kühlen Pflanzen durch Verschattung und Verdunstung den Stadtraum und die Gebäude. Das soll nicht heißen, dass überall alles vollständig begrünt sein muss. Schließlich fallen bei der Pflege dauerhaft Kosten an. Ort und Pflanzenart müssen gut ausgewählt werden, damit sie zu dem Projekt passen und ihre positiven Eigenschaften entfalten können.

Ausgewählte Seminare der DGNB Akademie zum Einstieg:

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Biodiversität

Visual zur DGNB Ausstellung "What If: A Change of Perspective"
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"What If: A Change of Perspective"

Visual zur DGNB Ausstellung bei Aedes


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Katrin Wolf

Katrin Wolf

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Paul Bandowski

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