Was wäre, wenn wir Städte und Räume so planen würden, dass wir uns gerne in ihnen aufhalten?

Der Einfluss der gebauten Umwelt auf unser Leben könnte kaum größer sein. Haben Sie sich jemals gefragt, ob Sie sich eigentlich wohlfühlen in den Umgebungen Ihres Alltags? In Ihrer Wohnung, Ihrem Büro und all den öffentlichen Räumen, in denen Sie Ihre Freizeit verbringen? Den Menschen in den Mittelpunkt der Planung zu stellen ist eine Maxime, die in Zeiten von Investorenarchitektur und dem Bestreben, schnell und günstig zu bauen, viel zu oft vergessen wird. Quadratmeterpreise als zentraler Entwurfsparameter sind wichtiger als Aufenthaltsqualität. Die kurzfristige Rendite zählt mehr als der Mensch.
Gebäude für Begegnung, nicht nur Aufenthalt
Dabei ist es doch die ureigenste Funktion von Gebäuden, uns Räume zu bieten, in denen wir uns sicher und geborgen fühlen. In denen wir gemeinsam lernen, arbeiten und leben können. Und sind öffentliche Plätze nicht dazu da, Begegnungen zu ermöglichen und das Miteinander zu stärken? Blickt man auf die vielen Unorte in unseren Städten, die nicht zum Verweilen einladen, darf man sich schon fragen: Wie konnte es so weit kommen? Gebaute Umwelt passiert nicht einfach – sie ist das Ergebnis von aktiv getroffenen Entscheidungen!
Mehr Miteinander im Bauen
Das heißt übersetzt: Es braucht Haltung – von Bauherren und Planenden gleichermaßen. Und die Bereitschaft, die Perspektive der aktuellen und der künftigen Nutzenden mitzuberücksichtigen. Also die aktive Auseinandersetzung mit der Frage, wie ein Bauwerk genutzt wird und von wem. Partizipation ist kein notwendiges Übel, sondern eine Chance. Wie wäre es, wenn wir den Benchmark für gute Architektur neu justieren würden? Wenn es uns vor allem darum ginge, Orte zu schaffen, die den sozialen Zusammenhalt stärken, mit denen sich Menschen identifizieren und die keinen ausschließen? Vermutlich hätte niemand etwas dagegen.
In diesem Sinne heißt soziale Verantwortung im Planen und Bauen, den Maßstab zu verschieben. Nicht weniger gestalten – aber anders. Nicht nur Räume zu schaffen – sondern Beziehungen. Und zwar bei allem, was wir bauen – vom Wohngebäude bis zur S-Bahn-Station. Denn wie es die Bundesstiftung Baukultur so treffend formuliert: „Räume prägen Menschen. Menschen prägen Räume.“
Mehrzweckhalle Ingerkingen
Die Mehrzweckhalle in Ingerkingen steht stellvertretend für den Wert des Prinzips Weiterbauen. Über 60 Jahre lang diente das Gebäude als sozialer Treffpunkt der Gemeinde, was auch nach seiner Erweiterung und Sanierung noch funktioniert. Dabei wurde die Halle durch Überformung und Bestandseinbindung in eine neue Ästhetik überführt.
Collegium Academicum, Heidelberg
Das Collegium Academicum ist das erste selbstverwaltete und selbstfinanzierte studentische Wohnprojekt in Deutschland. Aufgrund der flexiblen Grundrisse und der suffizienten Architektur können die Bewohnenden ihre Wohnfläche jederzeit verändern, da die Konstruktion die Herstellung und Versetzung der Innenwände in Selbstbauweise ermöglicht.
wagnisART, München
Das genossenschaftliche Wohnbauprojekt wagnisART war zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung in vieler Hinsicht vorbildlich in Deutschland. Durch die intensive Einbindung der zukünftigen Bewohnenden in den Planungsprozess entstand eine identitätsstiftende Architektur, die die Gemeinschaft der Menschen in den 138 Wohneinheiten fördert.
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Was wäre, wenn jedes Projekt eine baukulturelle Qualität aufweisen würde?
Der Wert von Gebäuden geht über ihre primäre Nutzungsfunktion hinaus. Sie haben das Potenzial, identitätsstiftend zu wirken und zum kulturellen Erbe zu werden – wenn in der Gestaltung die architektonische Qualität hochgehalten wird. Mit dem DGNB Diamant gibt es eine eigene Auszeichnung für solche Gebäude. Gewürdigt werden Orte, die zeitlos und beständig sind. Die das richtige Maß finden. Die gut ins Umfeld eingebunden sind. Die gerne genutzt werden. Gebäude, die niemand wieder abreißen möchte.
Was wäre, wenn wir wüssten, ob ein Gebäude im sozialen Kontext tatsächlich funktioniert?
Wann hört die Arbeit von Architekturschaffenden auf? Mit Fertigstellung des Gebäudes? Wer überprüft dann, ob die erhofften Effekte auf sozialer Ebene tatsächlich eintreten? Mit Social Positive hat die DGNB eine Auszeichnung ins Leben gerufen, die hier ansetzt. Gewürdigt werden Projekte, die eine erleb- und erfahrbare positive Wirkung auf die Umwelt rund um den Standort haben. Bewertet nicht auf Basis einer Checkliste, sondern anhand realer Qualitäten überprüft bei einer Vor-Ort-Besichtigung.
Sie möchten mehr erfahren? Dann schreiben Sie gerne eine E-Mail an Dr. Anna Braune (Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung) unter a.braune@dgnb.de.
Was wäre, wenn Suffizienz nicht als Verzicht, sondern als ganzheitliche Angemessenheit verstanden würde?
Zum Prinzip der Suffizienz gibt es in der öffentlichen Wahrnehmung kein einheitliches Verständnis. Dabei handelt es sich um ein zentrales Element jeder Nachhaltigkeitsstrategie, das am Anfang jedes (Um-)Bauprojekts stehen muss, indem die zentralen Fragen der Angemessenheit diskutiert und bewusst entschieden werden: Lässt sich der Bestand nutzen und damit ein Neubau vermeiden? Kann man den Flächenbedarf effizient gestalten? Lässt sich die Nutzungsintensität steigern? Wie viel Komfort ist sinnvoll? Und wie viel Material- und Technikeinsatz ist notwendig?
- Diskussion zum Thema: "Vernunft statt Verzicht: Wie das Suffizienzprinzip das Bauen verändert"
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Katrin Wolf
Teamleiterin Messen, Veranstaltungen und Kooperationen
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