DGNB System Gebäude, Neubau: Version 2023.2
Das DGNB System Gebäude, Neubau ist ein praxiserprobtes Planungs- und Optimierungstool zur Umsetzung ganzheitlicher Nachhaltigkeitsanforderungen. Der hohe Anspruch ging zuletzt allerdings auch mit einem großen Umfang einher. Daher hat die DGNB gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus ihrem Netzwerk daran gearbeitet, das System in der aktuellen Version 2023 zu überarbeiten, um die Anwendung praktikabler und weniger aufwändig zu machen – ohne dabei das Ambitionsniveau zu senken. Dazu erfolgte eine Evaluation der Indikatoren und geforderter Nachweisverfahren. Der hieraus resultierende Entwurf für die Version 2023.2 steht bis zum 23. Februar 2026 öffentlich zur Kommentierung bereit.
Direkt zur Kommentierung
Ziele und Schwerpunkte der Überarbeitung
Vor dem Hintergrund höherer und vielfältigerer (rechtlich verpflichtender) Anforderungen im Bereich der Nachhaltigkeit sowie steigender Baukosten verfolgt die DGNB mit der Überarbeitung des DGNB Systems Gebäude, Neubau drei übergeordnete Ziele:
- Reduktion des Aufwands für die Durchführung einer Zertifizierung
- Erleichterung des Einstiegs in die Zertifizierung
- Identifizierung von Potentialen zur Kostenreduktion für Auftraggebende
Um diese zu erreichen – und gleichzeitig das Ambitionsniveau nicht zu senken – wurden die Auswahl und Priorisierung der bisherigen Indikatoren neu bewertet, mit dem Ziel, maximal fünf Indikatoren je Kriterium festzulegen und durch die Gewichtung zentrale Themen hervorzuheben. Zudem wurden die Art der Nachweisführung, die Wirksamkeit der Mindestanforderungen sowie der Umgang mit Bonuspunkten in den Blick genommen.
Für DGNB Zertifizierungsexperten
- Signifikant reduzierter Arbeitsaufwand
- Kompakterer Kriterienkatalog durch begrenzte Anzahl an Indikatoren je Kriterium
Für Fachplanende
- Stärkere Ausrichtung von Methoden und Nachweisen an die Praxis im Planungs- und Bauablauf
- Reduzierte Anzahl geforderter Zusatzdokumente und Nachweise für die Zertifizierung
- Klarere Vorgaben und Empfehlungen für die Nachweisführung
Für Auftraggebende und Erstzertifizierende
- Einfacher Einstieg stärkt Motivation für Zertifizierungsprozess
- Nachhaltiges Bauen kann somit für alle zum Standard werden
Vorstellung der überarbeiteten Kriterien
Zum Start der Kommentierung haben wir im Rahmen einer digitalen Infoveranstaltung bereits eine kurze Einführung in den aktuellen Stand der überarbeiteten Kriterien sowie einen Überblick der Veränderungen zur aktuell gültigen Version 2023 gegeben. Die Aufzeichnung der Veranstaltung finden Sie hier zum Nachschauen.
Neuerungen in den Systemgrundlagen
- Entfallen der Innovationsräume in den Kriterien; "Alternative Nachweisführung" weiterhin möglich
- Entfallen der variablen Indikatoren in den Systemgrundlagen (nicht mehr in Kriterien enthalten)
- Anpassung der Gewichtungsfaktoren
- Einführung der Bewertung von Logistik und Produktion im Kriterium SOC1.3
- ENV1.1 Klimaschutz und Energie:
- Berechnung der Lebenszyklus-THG-Bilanz
- Ausstiegsplan für die Nutzung fossiler Energieträger
- SOC1.2 Innenraumluftqualität: Messung der Innenraumluftqualität entsprechend der Mindestanforderungen an die Bewertung der Raumluftkonzentration flüchtiger organischer Verbindungen (außer Industrie und Handel)
- SOC2.1 Barrierefreiheit: Einhaltung der Qualitätsstufe QS1 für alle Nutzungen (Haupt-, Neben-, und untergeordnete Nutzungen); Ausnahmeregelungen sind dem Kriterium zu entnehmen
- PRO2.3 Geordnete Inbetriebnahme: Entwicklung eines energetischen Monitoringkonzepts
- SITE1.1 Mikrostandort: Durchführung einer Klimagefahrenanalyse mit minimalem Umfang
Mindestanforderungen, die in der bestehenden Version 2023 für eine Auszeichnung mit der Stufe Platin notwendig sind, werden für Projekte, die eine Zertifizierung im Rahmen der Testphase anstreben, ausgesetzt.
Neuerungen in den einzelnen Kriterien
Legende In der unten stehenden Übersicht sind die Kriterien mit folgenden Symbolen markiert, um auf den ersten Blick sichtbar zu machen, in welchen Kriterien Anpassungen mit Auswirkungen auf den Aufwand im Rahmen der Zertifizierung vorgenommen worden sind. Zudem wurden die Kriterien gekennzeichnet, bei denen neue Stufen zum Einstieg in die DGNB Zertifizierung eingeführt worden sind. ❶ Anpassungen mit geringer Auswirkung auf Aufwand ❷ Anpassungen mit mittlerer Auswirkung auf Aufwand ❸ Anpassungen mit großer Auswirkung auf Aufwand ⌂ Neue Einstiegsstufen eingeführt |
Ökologische Qualität
- Indikatoren, die zur Anwendung der Ökobilanz in der Planung motivieren, wurden zusammengefasst
- Stärkerer Fokus der Bewertung auf die erzielten Ergebnisse der Ökobilanzierung
- Zurückstellung von Boni und Indikatoren, die im Markt aktuell geringes Umsetzungspotenzial haben
- Abschaffung der Berechung der prognostizierten THG-Emissionen und des Klimaschutzfahrplans für Neubauten
- Anpassung von Inhalten an das DGNB Rahmenwerk für Klimaneutrale Gebäude und Standorte (Überarbeitete Fassung)
- Mindestanforderungen:
- Berechnung einer Ökobilanz
- Einfache Darstellung, wie Klimaneutralität im Betrieb für das Gebäude bis 2045 erreicht werden soll
- Neuverortung eines Indikators aus PRO1.4 im Kriterum zur Berücksichtigung der Themen in Ausschreibung und Vergabe sowie der Baubegleitung
- Neuverteilung von Punkten: Höhere Punktevergabe für die Einstiegsstufe
- Einführung der vereinfachten Nachweisform für Qualitätsstufe 3
- Einführung von alternativen Punkten bei Fokus auf Schad- und Risikostoffe in der Innenraumluft
- Erweiterter Umgang mit Ausnahmen für mehr Praxisnähe
- Streichung redundanter Bonuspunkte
- In Arbeit:
- Konsolidierte Kriterienmatrix für optimierten Zugang und Verständlichkeit
- Kriterienmatrix-Roadmap, um sicherzustellen, dass künftige Anforderungen frühzeitig bekannt gemacht werden können
- Einführung alternativer, vereinfachter qualitativer und quantitativer Bewertungsverfahren für umgesetzte Rohstoffverantwortung. Die Verfahren:
- Einsatz einzelner Produkte (ohne quantitativen Nachweis)
- Fokus auf nachhaltiges Holz und Rezyklate in Beton, Erdbaustoffen und Pflanzsubstraten (auch nur Tragwerk)
- Fokus auf definierte weitere Werkstoffgruppen (analog zur EU-Taxonomie)
- Quantitatives Verfahren über bestehendes Berechnungstool
- Zurückstellung des Indikators für den Nachweis der umgesetzten Lieferkettenverantwortung bei beteiligten planenden und ausführenden Unternehmen
- Zurückstellung des bisherigen "vereinfachten Verfahrens"
- Präzisierung der Vorgaben und verbesserte Definitionen (z.B. bei den verschiedenen Flächendefinitionen) zur Reduzierung des Bearbeitungsaufwands
- Präzisierung der Schnittstelle zwischen Bau- und Betriebsphase mit neuer Zuordnung von einigen Indikatoren
- Zertifizierung nach dem DGNB System für Biodiversitätsfördernde Außenräume als Nachweis anerkannt
Ökonomische Qualität
- Zusammenfassung von Indikatoren, die zur Ermittlung der Lebenszykluskosten in der Planungsphase motivieren
- Abgleich und Anpassung einiger Berechnungsparameter aufgrund von Angleichungen an das Kriterium ENV1.1 sowie an Förderkriterien
- Einführung eines neuen Bonus für detaillierte Kostenermittlung
- Zurückstellung von Boni, die im Markt aktuell geringes Umsetzungspotenzial haben
- Optimierung des Kriterienaufbaus gemäß des aktuellen Stands der Technik von Klimarisikoanalysen
- Präzisierung der Schnittstelle zum Kriterium SITE1.1
- Optimierte Integration von und Anschlussfähigkeit an Anforderungen der EU-Taxonomie sowie für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude
- Einführung alternativer Bearbeitungsmöglichkeiten in Bausteinen oder als Gesamtpaket in Form einer "Qualifizierten Klimarisikoanalyse" (siehe auch SITE1.1)
- Einführung von Einstiegs- und Zwischenstufen bei der Umsetzung von Anpassungslösungen zur Reduzierung des Schadenspotenzials
- Neuverortung des Indikators zu Maßnahmen bei Lärmbelastung und Luftschadstoffen im Kriterium SOC1.6
- Neuverortung des Indikators zu Maßnahmen gegen Radon im Kriterium SOC1.2
Soziokulturelle und funktionale Qualität
- Starke Reduktion des Umfangs durch wegfallende Indikatoren (Zugluft, Luftfeuchte, Einfluss der Nutzer, Strahlungstemperaturasymmetrie)
- Fokussierung auf die operative Temperatur
- Frühe Einbindung des Themas in den Planungsprozess
- Einfacher Einstieg ins Thema und Berücksichtigung zukünftiger Entwicklungen ermöglichen höhere Bepunktung
- Einführung eines einfacheren Einstiegs für die Bewertung der Lüftungsrate (Indikator 2)
- Stärkere Gewichtung der Innenraumhygiene: Messung der flüchtig organischen Verbindungen (Indikator 1.1) und geringere Bewertung der Lüftungsrate (Indikator 2)
- Einführung eines neuen Unterindikators zur Messung der Radonbelastung (Ehemals SITE 1.1 und ECO2.6)
- Streichung des Agenda 2030 Bonus: Nichtraucherschutz und Feinstaub in Innenräumen
- Ergänzung eines einfachen Einstiegs für die Beurteilung der Tageslichtversorgung, Sichtverbindung und Blendfreiheit bei Tageslicht
- Reduzierung der Tageslichtbewertung auf das Gesamtgebäude
- Streichung des Indikators für Tageslicht an Arbeitsplätzen und die
- Anpassung der Bewertung in den unterschiedlichen Nutzungsprofilen
- Streichung der Bewertung der Besonnungsdauer
Technische Qualität
- Streichung von Indikatoren:
- Anpassbarkeit der Verteilung auf Betriebstemperaturen für Einbindung von regenerativen Energien (Indikator 2)
- Zugänglichkeit der Anlagentechnik (Indikator 3)
- Neue Aufteilung in den Indikatoren
- Reduzierung der Boni
- Anpassung von Inhalten an das DGNB Rahmenwerk für Klimaneutrale Gebäude und Standorte (Überarbeitete Fassung)
- Größere Flexibilität, die Optimierung der Zirkularität in der Planungs- oder Ausführungsphase positiv bewerten zu lassen
- Optimierung der Bewertungsstruktur und höhere Bewertung bei realisierter Zielerreichung auf Gebäudeebene
- Zurückstellung des Indikators zur Produkt- und Bauteiloptimierung aufgrund fehlender Daten
- Boni:
- Zusammenfassung sehr ambitionierter Bonuspunkte
- Teilweise Streichung bis Marktstandards / Datenverfügbarkeit sich verbessert haben
- In Arbeit: Neue Einstiegsstufe mit neuem "DGNB Zirkularitäts-Check" (Noch nicht Teil des Kriterienkatalogs in der Testversion)
- Präzisierung der Abgrenzung zur Bewertung des Standorts hinsichtlich der Verkehrsanbindung im Kriterium SITE1.3
- Fokussierung auf die Bewertung der Umsetzung
- Entfall des Indikators zum Konzept
- Anpassungen aufgrund der aktuellen gesetzlichen Vorgaben zur Ladeinfrastruktur
- Kleinere Anpassungen beim Thema Nutzerkomfort
Prozessqualität
- Anerkennung einer Zertifizierung nach dem DGNB System für nachhaltige Baustellen als Nachweis
- Reduzierung des Aufwands im Indikator "Ressourcenschutz – Wasserverbrauch"
- Vereinfachung und Verschlankung der Struktur
- Klarstellung der Mindestanforderung
- Inhaltliche Präzisierung der Themen Inbetriebnahme und Monitoring zur Vorbereitung eines nachhaltigen Betriebs (Schnittstelle zum DGNB System Gebäude im Betrieb)
- Reduktion von Mehraufwand bei gleichbleibender Qualität durch größere Offenheit in der Nachweisführung
Standortqualität
- Optimierung des Kriterienaufbaus gemäß aktuellem Stand der Technik von Klimarisikoanalysen
- Präzisierung der Schnittstelle zum Kriterium ECO2.6
- Optimierte Integration von und Anschlussfähigkeit an Anforderungen der EU-Taxonomie sowie für das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude
- Einführung alternativer Bearbeitungsmöglichkeiten in Bausteinen oder als Gesamtpaket in Form einer "Qualifizierten Klimarisikoanalyse" (siehe auch ECO2.6)
- Einführung von Einstiegs- und Zwischenstufen bei der Klimagefahrenanalyse über öffentlich zugängliche Daten
- Überarbeitung der Nachweisführung der Indikatoren zu Lärmbelastung und Luftschadstoffen
- Verschiebung des Indikators zum Thema Radon nach SOC1.2
Begleitende Testphase
Neben der öffentlichen Kommentierung führt die DGNB zum Jahresbeginn 2026 eine Testphase durch. Auf Basis einer erweiterten Gewichtungstabelle sowie der Kriterien in der Testversion evaluieren DGNB Zertifizierungsexperten anhand eines eigenen, realen Projektes die aktuell zur Kommentierung bereitstehende Version des DGNB Systems Gebäude, Neubau. In gemeinsamen Workshops geben sie der DGNB insbesondere zur Aufwandsreduktion sowie der Anwendbarkeit im Vergleich zur aktuell gültigen Version 2023 Feedback.
Projekte, an denen diese Version des Systems getestet wird, können den Prozess der Zertifizierung vollständig durchlaufen und je nach Art des Projektes ein DGNB Vorzertifikat oder Zertifikat erhalten. Bitte beachten Sie, dass aus Prozessgründen Gesundheitsbauten, Versammlungsstätten und Sportstätten sowie mischgenutzte Gebäude und Mehrfachzertifizierungen für die Testversion nicht geeignet sind. Projekte, die eine Förderung nach QNG anstreben, können ebenfalls nicht teilnehmen.
Bei Interesse an einer Mitwirkung wenden Sie sich bis zum 14. Januar 2026 um 12:00 Uhr bitte per E-Mail an kommentierung@dgnb.de. Bitte beachten Sie: Da die Kapazitäten im Rahmen der Testphase begrenzt sind, behält sich die DGNB vor, eine Auswahl an Projekten zu treffen. |
Hinweis für Zertifizierungsexperten: DGNB Auditoren, die mit einem Projekt aktiv an der Testphase mitwirken, erhalten hierfür Fortbildungspunkte der DGNB Akademie zum Lizenzerhalt.
Häufig gestellte Fragen
Ihre Ansprechpersonen
Dr. Anna Braune
Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung
- Tel.: +49-711-722322-67
- E-Mail: A.BRAUNE@DGNB.DE


