Gibt es einen Disconnect in der Branche? Aus dieser Fragstellung heraus fiel die Wahl des Themenschwerpunkts in diesem Jahr auf Innovationen. Denn, wie DGNB Vorstand Dr. Christine Lemaitre eingangs erläutert, werden insbesondere zu Anlässen wie Messen innovative Ideen vorgestellt. Doch der Blick in das tägliche Baugeschäft mache deutlich, dass viele hier (noch) nicht ankämen oder die entwickelten Ansätze nicht den Bedürfnissen der Branche entsprächen. Die Frage ist, warum? Woran liegt es, dass vermeintlich spannende Ideen nicht in der Breite ankommen? Und was können wir ändern, damit es künftig besser gelingt?
Über Kosten sprechen
Ein Schlagwort, das bereits im ersten Impulsvortrag des Tages und auch im Laufe der Fishbowl-Diskussion immer wieder fällt, sind die „Kosten“. Verbunden mit dem Apell, transparent über sie zu sprechen. Denn am Ende des Tages müssen Unternehmen wirtschaftlich sein. Innovation bzw. Disruption verbänden insbesondere etablierte Unternehmen oft mit Risiko. Sollen Innovationen es am Markt schaffen, müssten sie, so bringt es Martin Pauli (Direktor/Global Leader Circular Economy Services, Arup) auf den Punkt, zwei Dinge erfüllen: Sie müssen (technisch) besser und kostengünstiger sein. Ist nur eine der beiden Dimensionen erfüllt, reiche es nicht. Er plädiert daher für das Denken in Business Cases.
Ergänzend sensibilisierte der Impuls von Claus Fischer (Geschäftsführer, Stramen.Tec GmbH), vor allem für bestehende bürokratische Hürden im Innovationsprozess. Durch die Erfahrungen im eigenen Start-up hält er fest, dass Angst vor Verantwortung den Innovationsprozess lähme: „Eine Innovationskette, in der alle Ja sagen – aber nur, wenn ein anderer zuerst Ja gesagt hat.“ Ein Schmerz, der in der Runde durchaus auf Verständnis stößt. Auch Lemaitre betont, dass es in der gesamten Breite der Wertschöpfungskette des Bauens noch nicht genug Überzeugungstäter in Sachen Nachhaltigkeit gebe, die auch bei Schwierigkeiten nach alternativen Lösungen suchen.
Zusammenarbeit quer über die Wertschöpfungskette
Dabei ist die Breite der Wertschöpfungskette ein weiteres wichtiges Schlagwort der Diskursveranstaltung. Dabei gehe es nicht nur darum, alle zu erreichen und zu motivieren. Paulis Impuls legt auch nahe, wie wichtig eine Zusammenarbeit quer über die Wertschöpfungskette hinweg für Innovationen ist. Es gehe um ganz neue Prozesse und neue Formen der Zusammenarbeit, um erfolgreich zu innovieren.
Große, etablierte Unternehmen könnten hier, wie die Diskussion zeigt, bei aller vermeintlichen Innovationsfeindlichkeit ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. Sie seien Teil des Problems und der Lösung zugleich. Schließlich hätten sie es bereits einmal geschafft, Produkte und Prozesse zu optimieren. Das könne folglich mit technisch besseren Produkten noch einmal gelingen. Zum anderen zeigt der Blick über den Tellerrand – konkret nach London und die dortige Entwicklung im Bereich der Zirkularität, auf die Pauli verweist – dass auch die etablierte Industrie Geschwindigkeit auf die Straße bringen könne. „Aber es braucht eine klarere Leitplanke“, so Pauli. In London gebe es starkes Public Leadership, das auf die lokale Gesetzgebung einwirke.
Regulierung als Leitplanke
Dass Regulatorik ein wichtiger Hebel ist, habe die Vergangenheit auch hier bereits gezeigt. „Die Regulierung, die jetzt über den Green Deal gekommen ist, hat auch in den letzten Jahren in der Industrie einiges vorangebracht“, so Martin Prösler (Geschäftsführer, Prösler Kommunikation GmbH).
Was braucht der Markt?
Einige praktische Impulse gibt es schließlich von Erik Bossong (Expert Science Network, GROPYUS Technologies) auf die Frage, wie man herausfindet, was der Markt eigentlich braucht. Zum einen sei die Marktforschung ein wichtiger Part. Die Kosten hierfür würden bei GROPYUS aktuell eingepreist, aber es gehe darum, genau zu verstehen, wer die eigene Zielgruppe ist und was sie bewegt. Zum anderen gebe es aber auch Neuerungen, die sie in den Markt „drücken“ bzw. als Standard setzen. Hier spiele Kommunikation eine zentrale Rolle. Die passende Kommunikation für die jeweiligen Menschen.
Austausch ist das A und O
In Summe zeigte die angeregte Diskussion wieder vor allem eines: Neuerungen für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz beim Bauen gelingen nur gemeinsam. Es gilt motiviert, im Austausch, siloübergreifend und zusammen an Lösungen für bestehende Probleme zu arbeiten. So treffen es letztlich zwei Sätze, die DGNB Präsident Prof. Amandus Samsøe Sattler direkt zum Auftakt formulierte: „Ideen entstehen immer zwischen Menschen. Es ist ganz wichtig, dass wir uns treffen, miteinander sprechen und austauschen.“
In diesem Sinne laden wir Sie nicht nur ganz herzlich ein, sich die Aufzeichnung des DGNB Ideenlabors 2025 noch einmal in Gänze anzuschauen, sondern auch den Austausch zu suchen. Gelegenheit hierzu haben Sie unter anderem am 25. Juni 2025 beim DGNB Tag der Nachhaltigkeit in Stuttgart. Hier können Sie auch die Finalisten der diesjährigen DGNB Sustainability Challenge, die ebenfalls im Rahmen des Ideenlabors ihre ganz konkreten Innovationen und Ansätze präsentierten, kennenlernen. Weitere Netzwerkveranstaltungen und Gelegenheiten zum Austausch finden Sie zudem im DGNB Veranstaltungskalender.
Pressemitteilung
Treffen, sprechen, austauschen: Ideen entstehen immer zwischen Menschen
Pressebilder

Ihre Ansprechperson
Felix Jansen
Abteilungsleiter PR, Kommunikation und Marketing
- Tel.: +49-711-722322-32
- E-Mail: f.jansen@dgnb.de