Allergische Erkrankungen gehören heute zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen in Industrieländern. So leidet in Deutschland jeder Dritte an einer Allergie wie etwa Heuschnupfen, Asthma oder Kontaktallergien. Zugleich verbringen die Menschen hierzulande den Großteil ihrer Lebenszeit in Gebäuden und sind darin heute noch vielen Auslösern für Allergien wie etwa Ausdünstungen von Materialien oder Pollen ausgesetzt.
„Ein Fokus des nachhaltigen Bauens liegt auf dem Wohlbefinden der Gebäudenutzenden. Dazu zählen insbesondere auch die wachsende und zugleich besonders schützenswerte Gruppe der Allergiker“, sagt Johannes Kreißig, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Durch die Kooperation mit der AFBA möchten wir auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen, indem wir Bauprojekte auszeichnen, die heute schon ihren Schwerpunkt auf gesunde Räume und Gebäude legen.“
„Allergiker sind ein besonders sensibler Maßstab für die Qualität von Gebäuden und Innenräumen“, sagt Angela Balatoni, CEO und Mitgründerin der AFBA. „Wenn Gebäude so geplant und betrieben werden, dass sie für Allergiker geeignet sind, profitieren letztlich alle Menschen gleichermaßen von einer besseren Innenraumqualität.“
Baumaterialien, Bepflanzung, Reinigung und Lüftung sind Kernthemen
Um die Sonderauszeichnung Allergikerfreundliches Bauen zu erhalten, gilt es neben den Kriterien der DGNB Zertifizierung für einen Neubau oder ein Bestandsgebäude weitere Anforderungen durch die AFBA zu erfüllen. Diese lassen sich in vier Bereiche unterteilen.
Zum einen geht es bei der Wahl der Baumaterialien darum, über das DGNB System hinausgehende Anforderungen zur Vermeidung von Schad- und Risikostoffen, wie etwa in Bezug auf Allergene oder Duftstoffe, zu kennen und zu minimieren. Des Weiteren bedarf es eines sorgfältigen Umgangs mit der vorhandenen und geplanten Begrünung im Innen- und Außenraum, um, ergänzend zur Biodiversität, die Pollenintensität einzudämmen oder allergieauslösende Pflanzen gar nicht erst einzusetzen.
Ebenfalls wesentlich für das Ziel eines gesundheitsfördernden Gebäudes sind der richtige Einsatz und Umgang mit der Gebäudelüftung. Entscheidend sind dabei insbesondere die Wahl der geeigneten Filterklasse sowie eine regelmäßige Wartung und Reinigung der Anlagen. Da in Lüftungssystemen durch Wärme und Feuchtigkeit leicht Mikroorganismen entstehen können, ist eine hygienische Betriebsführung essenziell, um Schimmel und andere Belastungen zu vermeiden.
Bei der Auswahl und Anwendung von Reinigungsmitteln unterstützt die AFBA-Beratung zudem dabei, Duft- und Konservierungsstoffe möglichst zu minimieren und die vorgeschriebenen Mischungsverhältnisse einzuhalten – sowohl zur Schonung der Oberflächen als auch zur Förderung einer gesunden Innenraumumgebung.
„Um das Wohlbefinden aller Menschen im Gebäude zu fördern, braucht es weder große Baumaßnahmen noch viel Technik“, sagt Kreißig. „Oft sind es kleine Eingriffe mit großer Wirkung wie etwa die kompetente Auswahl der Baustoffe, Pflanzen und Reinigungsmittel oder der richtige Umgang mit der Lüftung sowie regelmäßige Wartungszyklen im Gebäudebetrieb. Entscheidend ist, dass medizinisch geschulte Fachleute gleich zu Beginn der Planung dabei sind und die relevanten Themen definieren.“
Zusammenarbeit erleichtert Nachweisführung und erhöht Breitenwirksamkeit
Den Kriterienkatalog für Allergikerfreundliches Bauen hat die AFBA gemeinsam mit einem interdisziplinären Team entwickelt. Beteiligt sind Experten aus der Immunologie und Allergologie sowie Wissenschaftler aus führenden Forschungsinstituten, darunter auch das ZAUM – Zentrum für Allergie und Umwelt, das zum Helmholtz Zentrum München gehört. Ergänzt wird das Team durch Ingenieure und Planende aus der Bau- und Immobilienpraxis, um medizinische Erkenntnisse mit der praktischen Umsetzung im Gebäude zu verbinden.
„Innenräume ohne Allergene wird es nicht geben, und das wollen wir auch gar nicht“, sagt der Institutsleiter des Zentrums für Allergie und Umwelt, Univ. Prof. Carsten Schmidt-Weber. „Es geht nicht darum, Reinräume zu schaffen, sondern die häufigsten Auslöser von Allergien möglichst loszuwerden. Das nutzt Allergikern, aber auch Gesunden.“
So wie das Thema menschlicher Gesundheit im Bauen als Teil ganzheitlicher Nachhaltigkeit zu verstehen ist, bildet der Kriterienkatalog der AFBA eine Ergänzung zur Nachhaltigkeitszertifizierung der DGNB. Letztere dient als Planungs- und Optimierungstool, das voraussetzt, dass sich Bauherren und Planungsteam in der frühen Phase eines Projektes über die ökologischen, ökonomischen und soziokulturellen Schwerpunktsetzungen wie etwa Gesundheits- und Allergikerthemen austauschen und diese bis zum Ergebnis führen.
Durch die Zusammenarbeit beider Organisationen lassen sich Prüf- und Nachweisprozesse effizient miteinander verknüpfen. Gleichzeitig wird das Thema allergikerfreundlicher Gebäude stärker in der Bau- und Immobilienbranche sichtbar.
Auszeichnung macht gesundes Gebäude sichtbar
Mit der Sonderauszeichnung Allergikerfreundliches Bauen in Form eines geschützten Logos dürfen Bauherren sichtbar machen, dass ihr Gebäude für alle Menschen gesund ist. Zudem können sie mit einer höheren Nutzendenzufriedenheit, weniger Krankheitsausfällen und damit langfristigen wirtschaftlichen Vorteilen rechnen. Bei Interesse an der Auszeichnung genügt ein Hinweis an den zuständigen DGNB Auditor auf Seite der Zertifizierung oder die Kontaktaufnahme mit der AFBA. Für die Nutzung der Auszeichnung fallen keine zusätzlichen Gebühren an.
Im Prozess steht für die medizinischen Themen neben dem DGNB Auditor ein AFBA-Berater zur Verfügung, der unter anderem den fachlichen Austausch mit den medizinischen Experten begleitet. AFBA-Berater sind in der Regel speziell geschulte DGNB Consultants oder DGNB Auditoren. Die Ausbildung wird derzeit mindestens viermal im Jahr oder auf Anfrage von der AFBA angeboten. Die DGNB Akademie plant diese ebenfalls in ihr Schulungsangebot aufzunehmen. Alle Informationen zur Sonderauszeichnung Allergikerfreundliches Bauen finden Sie unter www.dgnb.de/sonderauszeichnung-allergikerfreundliches-bauen.


