„Die Frage, wie man in einem Museumskontext die Arbeit der DGNB vermittelt und für ihren ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz wirbt, ist alles andere als trivial“, erklärt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Wir wollten nicht in fachliche Untiefen abtauchen oder belehren, sondern vielmehr einordnend und motivierend sein. Genau aus diesem Grund setzt die Ausstellung auf das Prinzip des Perspektivwechsels.“
Dabei will die DGNB die Besuchenden einladen, sich ohne vorgefertigte Meinung auf die rein inhaltliche Ebene der nachhaltigen Architektur zu begeben. Hin zu der Frage, was das Richtige wäre, wenn man ohne wirtschaftliche Zwänge entscheiden dürfte. Wie eine Architektur aussehen würde, die im Sinne einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit kompromisslos Positives bewirkt. Eben genau so, wie die DGNB es als rein inhaltlich motivierte Organisation seit jeher macht.
Meilensteine des nachhaltigen Bauens
Ein rotes Band zieht sich als verbindendes Element durch die Ausstellung, die mit der Frage beginnt, wann die Besuchenden selbst angefangen haben, sich ernsthaft mit nachhaltiger Architektur auseinanderzusetzen. Es ist der Startpunkt einer Zeitreise durch wesentliche Meilensteine in der Entwicklung des nachhaltigen Bauens und der DGNB.
„Nur weil etwas für einen selbst neu ist, muss es das nicht auch für den Rest der Welt sein“, erklärt Christine Lemaitre den Ansatz. „Diese Einordnung auf der Zeitachse ist wichtig. So kann es gelingen, manche Aufgeregtheit aus aktuellen Debatten zu nehmen. Denjenigen, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen, soll es dabei helfen zu verstehen, was wirklich neu und relevant ist.“
Wandbild lädt zum Entdecken ein
Der zentrale Hingucker der Ausstellung ist ein fast 70 Quadratmeter großes Wandbild. Dieses kann und will keine ideale Stadt der Zukunft zeichnen, sondern bildet ab, wie es in der real gebauten Umwelt zugeht: Zu sehen ist ein diverser Stadtraum voller Spannungen, in dem manches funktioniert, anderes wiederum nicht. Ein Wimmelbild, in dem sich unzählige Details entdecken lassen.
Darunter finden sich Orte, die positiv wirken, in denen sich Menschen gerne aufhalten. Von denen es sich lohnt, zu lernen. Pate stehen hierfür die bisherigen 13 Gewinnerprojekte des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur, den die DGNB seit 2013 mit vergibt. Diese ziehen sich als Klammer auch durch alle übrigen Teile der Ausstellung – in Form von Modellen, Büchern, Videos, Kurzbeschreibungen und Fotos.
268 Pappwürfel vermitteln Vielfalt an Perspektiven zum nachhaltigen Bauen
Die übrige Ausstellung ist komplett mit 50 Zentimeter breiten Kuben aus Pappe bespielt, die eine außergewöhnliche räumliche Wirkung erzeugen. Zoniert ist dieser Teil der Ausstellung entlang einiger der zentralen Themenschwerpunkte von nachhaltiger Architektur: Klimaschutz und Ressourceneffizienz, Klimaanpassung und Resilienz, Mensch und Gemeinschaft, Flächenschutz und Bestandserhalt, Biodiversität sowie Kosten vs. Risiken.
In all diesen Bereichen motiviert die Ausstellung zum Perspektivwechsel, indem sie den Besuchenden hypothetische Fragen stellt: Was wäre, wenn wir nicht mehr neu bauen dürften? Was wäre, wenn wir Räume und Städte so planen würden, dass wir uns gerne in ihnen aufhalten? Was wäre, wenn wir den Klimawandel endlich ernst nehmen würden?
Gleichzeitig zeigt die Ausstellung auf, welche Möglichkeiten es heute schon gibt, aktiv zu werden. Hierfür stehen insbesondere die Bereiche Wissen und System sowie Engagement, in denen die Arbeit der DGNB näher beleuchtet wird. Zudem werden einige der Pioniere vorgestellt, die das nachhaltige Bauen in Deutschland seit vielen Jahren prägen.
Besuch bis zum 28. Januar 2026 kostenfrei möglich
Die DGNB Ausstellung bei Aedes ist bis zum 28. Januar 2026 geöffnet. Der Katalog dazu kann vor Ort erworben werden. Der Besuch selbst ist kostenlos. Öffnungszeiten sind sonntags und montags von 13:00 bis 17:00 Uhr sowie dienstags bis freitags von 11:00 bis 18:30 Uhr.
Es gibt auch die Möglichkeit, Vertreter der DGNB persönlich vor Ort zu treffen. So stehen an vier Terminen Mitglieder des DGNB Präsidiums jeweils ab 16:30 Uhr für einen informellen Austausch zur Verfügung. Nach dem Auftakt am 16. Dezember 2025 mit Thomas Kraubitz und Prof. Alexander Rudolphi sind dies Dr. Andreas K. Gruber am 8. Januar 2026, erneut Thomas Kraubitz am 20. Januar 2026 sowie DGNB Präsident Prof. Amandus Samsøe Sattler am 27. Januar 2026.
Am 14. Januar 2026 ab 14:30 Uhr macht die Veranstaltungsreihe „DGNB unterwegs“ Halt in Berlin und schaut hinter die Kulissen der Ausstellung. Zudem stellt sich die DGNB dem interessierten Publikum nochmals näher vor. Den Link zur kostenfreien Anmeldung gibt es unter www.dgnb.de/aedes.
Auf der Website finden sich neben der Übersicht aller Termine auch weiterführende Informationen wie etwa ein einführendes Video zur Motivation der DGNB für die Ausstellung, bei der Ten Brinke und Kim Jarolim als Sponsoren unterstützend dabei sind. Gestaltet und umgesetzt wurde die Ausstellung von Frank Ockert, die Illustration des Wandbilds kommt von Edith Maier-Neretin.



