DGNB

Gebäuderessourcenpass – Entwurf der DGNB

In dem im November 2021 veröffentlichten Koalitionsvertrag hatte die Bundesregierung angekündigt, einen digitalen Gebäuderessourcenpass einzuführen, ohne diesen inhaltlich näher zu konkretisieren. Es solle eine Maßnahme sein mit dem Ziel, „die Grundlagen (zu) schaffen, (um) den Einsatz grauer Energie sowie die Lebenszykluskosten verstärkt betrachten zu können" sowie um „im Gebäudebereich zu einer Kreislaufwirtschaft (zu) kommen."

Um mehr Geschwindigkeit bei der Einführung des Instruments sowie mehr Akzeptanz für die Anwendung zu erreichen, hat die DGNB mit ihrem Ausschuss für Lebenszyklus und zirkuläres Bauen einen Entwurf entwickelt und bis zum 18. September 2022 zur Kommentierung gestellt.

Grundkonzept und Ziel des Gebäuderessourcenpasses

Der Gebäuderessourcenpass lehnt sich an die Idee des erfolgreich etablierten Energieausweises an. Das grundlegende Prinzip dabei: In dem Ressourcenpass sollen individuell für jedes Gebäude die wesentlichen Informationen rund um den Ressourcenverbrauch, die Klimawirkung und der Kreislauffähigkeit transparent angegeben werden. Er soll die nötigen Informationen zur Verfügung stellen, um Ressourcen in verschiedenen Szenarien wie Urban Mining, Sanierung und Abbruch bestmöglich zu nutzen.

Langfristig schafft er die Grundlage für eine konsistente Kreislaufwirtschaft im Bausektor, in der frühe und späte Lebenszyklusphasen (Produktdesign und Produktrecycling) optimal miteinander koordiniert und verzahnt sind. Erforderlich dafür sind die vollständige Transparenz über verbaute Materialien und Komponenten, ihrer Werte und Besitzverhältnisse.

Der Entwurf des Gebäuderessourcenpasses im Detail

Für die Kommentierung (bis 18. September 2022) stellt die DGNB folgende zwei Dokumente zum Download zur Verfügung:

Beispielentwurf eines Gebäuderessourcenpasses in aggregierter Form
Detailanforderungen im Gebäuderessourcenpass

Dabei umfasst der Entwurf folgende einzelne Aspekte, die jeweils anzugeben sind:

Allgemeine Informationen und Massen:

1. - 3. Standort und Baujahr; Art der Bauweise; Bestandserhalt oder Neubau

Die Basisinformationen des Gebäuderessourcenpasses umfassen neben Standort und Baujahr auch die Art der Bauweise und die Einordnung in Bestandserhalt und Neubau. Diese Informationen sind für den Ressourceneinsatz und -erhalt von zentraler Bedeutung. Die Art der Bauweise kann unter anderem die Lebensdauer eines Gebäudes sowie die Verfügbarkeit von Materialien und Bauteilen für eine spätere Wiederverwendung beeinflussen. Die Entscheidung für den Erhalt von Bestand ist vor dem Hintergrund sich verknappender Ressourcen im Bausektor unumgänglich, weshalb diese im Gebäuderessourcenpass deutlich gekennzeichnet ist.

4. Gesamtmasse des Gebäudes

Zirkuläre Aspekte des Ressourceneinsatzes für das Gebäude können über massenbezogene Quoten dargestellt werden. Um solche Quoten zu ermitteln, muss die Gesamtmasse des Gebäudes bekannt sein.

5. Flächengewichtete Gesamtmasse des Gebäudes

Die flächengewichtete Gesamtmasse setzt sie Gesamtmasse des Gebäudes in Relation zur vorhandenen Fläche und ermöglicht somit eine Vergleichbarkeit mit anderen Gebäuden.

6. Geschätzter Umfang der im Gebäuderessourcenpass dokumentierten Massen

Um die Aussagekraft und Qualität der im Gebäuderessourcenpass angegebenen Informationen zur Zirkularität adäquat einschätzen zu können, ist es erforderlich, eine Schätzung anzugeben, auf welchen Anteil der Gebäudemassen sich diese Angaben beziehen.

7. Grundlage der Daten / Nutzung von Materialpässen

Im Gebäuderessourcenpass können und sollen gesammelte Informationen aus Materialpässen und Bauteilkatalogen gebündelt und einordnet werden. Zur Einordnung der Datenqualität und zur Herstellung einer Vergleichbarkeit sollte die Datengrundlage im Gebäuderessourcenpass qualitativ kurz beschrieben werden.

8. Gebäuderessourcenpass-ID

Gebäuderessourcenpässe bilden den Ressourcenwert unserer gebauten Umwelt ab. Indem jedem Gebäuderessourcenpass eine eindeutige Identifikationsnummer (ID) zugewiesen wird, lassen sich die darin bereitgestellten Informationen in Zukunft eindeutig zuordnen.

Inhaltsstoffe / Verwendung zirkulärer Wertstoffe:

9. Vorhandene Materialarten im Gebäude

Die verschiedenen Materialarten, die im Gebäude eingesetzt sind, sollen in massebezogenen Quoten angegeben werden. Die materielle Beschaffenheit des Gebäudes wirkt sich sowohl auf dessen Kreislauffähigkeit als auch auf verbaute Emissionen aus. Eine Kenntnis über die vorhandenen Materialarten ist Grundlage für eine optimale spätere Nutzbarkeit der Materialien. Die Klassifizierung der Materialarten muss noch festgelegt werden und stellt einen aktuellen Diskussionsstand dar und basiert auf dem Europäischen Rahmenwerk Level(s).

10. Vorhandensein „kritischer“ Inhaltsstoffe im Gebäude
11. Qualitätseinstufung bezüglich „kritischer“ Inhaltsstoffe gemäß definiertem Verfahren

In einer zirkulären Bau- und Immobilienwirtschaft lassen sich Bauteile, Produkte oder Werkstoffe nach der Nutzungsphase wieder neu in den Kreislauf einbringen und sind im Idealfall nützlich für Mensch und Umwelt. Wenn Bestandteile von Bauteilen, Produkten oder Werkstoffen bereits heute als Schad- oder Risikostoffe eingestuft sind oder für diese eine Verbotsperspektive besteht, erschwert oder verhindert dies eine zukünftige Verwendung oder Verwertung. Bereits eingesetzte „kritische" Inhaltsstoffe sollten perspektivisch in geschlossenen Kreisläufen isoliert werden, damit Sie eine Kreislaufführung nicht verhindern.

Es bedarf daher einer Aussage, ob im Gebäude „kritische" Inhaltsstoffe vorhanden sind. Weiterreichende Maßnahmen können über Zertifikate bestätigt und im Gebäuderessourcenpass dokumentiert werden. Eine Verifikation über gängige Instrumente, wie die Anwendung des DGNB Systems (Kriterium „Risiken für die lokale Umwelt" ENV1.2 oder gemäß „EU-Taxonomie Verifikation" der DGNB) oder des BNB Systems (Kriterium „Risiken für die lokale Umwelt" K1.1.6) ist zu empfehlen und kann im Gebäuderessourcenpass dargestellt werden.

12. Anteil von Wiederverwendung, Recyclingmaterialien & nachwachsende Primärmaterialien im Gebäude

Die Angabe des massengewichteten Anteils an erhaltenen oder nachwachsenden Ressourcen, die in das Gebäude eingebracht wurden, gibt einen Aufschluss über den bereits effektiv geleisteten Beitrag zur zirkulären Bau- und Immobilienwirtschaft. Über eine differenziertere Auflistung und Unterteilung dieses Anteils in wiederverwendete, verwertete (recycelte) Materialien sowie nachwachsende Rohstoffe im Gebäude wird die Qualität dieses Beitrags und die unternommenen Anstrengungen zur heutigen Umsetzung der Kreislaufführung verdeutlicht.

13. Bau- und Abbruchabfälle: Massen & Verwertungswege

Große Teile des globalen Abfallaufkommens entstehen bei den Abbruch- und Bauprozessen. Die hier anfallenden Materialien sollten als wertvolle Ressourcen betrachtet werden und mit größtmöglichem Nutzen verarbeitet werden. Sowohl die gesamten Massen an Bau- und Abbruchabfällen als auch die Verwertungswege sind anhand von Quoten zu dokumentieren.

Umweltwirkungen / Bauwerks- / Materialgebundene THG-Emissionen und Energieeinsatz:

14. Treibhausgas-Emissionen des Bauwerks
15. Primärenergiebedarf (nicht erneuerbar) des Bauwerks

Um den Einfluss des Bauwerks bzw. der durchgeführten Maßnahmen im Rahmen von Modernisierungen auf das Klima einschätzen zu können, ist Transparenz über den Treibhausgasausstoß (ermittelt über den gesamten Lebenszyklus) notwendig. Über die Darstellung und Zuordnung der Treibhausgasemissionen (und der eingesetzten nicht erneuerbaren Primärenergie) im Gebäuderessourcenpass auf die nach DIN EN 15978 strukturierten Lebenszyklusphasen, kann identifiziert werden, in welcher Höhe Treibhausgasemissionen und Energieverbräuche aus Produktion, Transport und Errichtung bereits ausgestoßen wurden und welche in den Nutzungs- und Nachnutzungsszenarien auftreten. Die „bauwerksgebundenen Treibhausgas-Emissionen" sind für den ökologischen Fußabdruck eines Gebäudes von zunehmender Bedeutung.

16. Angabe des Ökobilanzverfahrens

Der Gebäuderessourcenpass soll Transparenz darüber herstellen, welches Ökobilanzverfahren angewandt wurde. Je nach Verfahren können unterschiedliche Bilanzrahmen und Berechnungsmethoden herangezogen werden. Um eine Vergleichbarkeit zu erreichen, ist das Verfahren anzugeben.

Zirkuläre Nutzung:

17. Mehrfachnutzung von Flächen im Gebäude
18. Flächenteilung im Gebäude einfach umsetzbar
19. Flächennutzungsgrad
20. Flächenbedarf je Bezugseinheit

Adaptierbarkeit und Flexibilität ermöglichen eine intensive Nutzung von Flächen und den Erhalt von Gebäuden auch bei sich verändernden Nutzungsanforderungen. Im Gebäuderessourcenpass kann verzeichnet werden, inwiefern durch die Konzeption des Gebäudes eine Mehrfachnutzung von Flächen im Gebäude und die Möglichkeit der Flächenteilung ermöglicht werden. Zudem schaffen Angaben zu Flächennutzungsgrad und Flächenbedarf je Bezugseinheit eine Vergleichbarkeit im Kontext der Nutzungseffizienz und der Suffizienz. Die zur Berechnung des Flächennutzungsgrades und des Flächenbedarfs verwendeten Verfahren sollten kurz beschrieben sein.

Umbau- / Rückbaufreundlichkeit und Nachnutzung:

21. Konzept zur Anpassung des Gebäudes an andere Nutzungen, zur zerstörungsfreien Demontage sowie zur sortenreinen Trennung im Falle eines Umbaus oder Rückbaus vorhanden

Um die Kreislauffähigkeit von Bauwerken und ihren Bauteilen zu ermöglichen, müssen bereits in Design- und Entwurfsphasen die End-of-Life-Szenarien mitgedacht werden. Im Entwurf eines Gebäudes bedeutet das, Reparatur, Umbau und Rückbau von Anfang an vorzubereiten und Konzepte zu erarbeiten, damit Ressourcen auch in Zukunft wieder zur Verfügung stehen. Ein wichtiger Ansatz vor diesem Hintergrund ist auch die Nutzung reversibler Verbindungen. Die vielfältigen Gestaltungskonzepte, die zum zirkulären Bauen beitragen, können über die Information, ob entsprechende Konzepte zur Anpassbarkeit, zur Demontage sowie zur sortenreinen Trennung vorliegen, entsprechend im Gebäuderessourcenpass vermerkt werden.

22. Nachnutzungswege (aus heutiger Perspektive) für Gebäude (massenbezogene Quoten je Weg)

Die potenzielle künftige Kreislauffähigkeit kann über die Darstellung der möglichen „Nachnutzungswege" beschrieben werden. Die Angaben sollen auf Grundlage des heutigen Stands der Technik getroffen werden – es ist jedoch hervorzuheben, dass diese Aussagen eine „potenzielle" Nachnutzung beschreiben und sich erst in der Zukunft tatsächlich nachweisen lassen. Die Ressourcen des Gebäudes sollen zu Nachnutzungswegen, wie z.B. Wiederverwendbarkeit oder (stoffliche) Verwertbarkeit zugeordnet werden. Ist keine Nachnutzung möglich, soll angegeben werden, welche Art der Entsorgung oder Deponierung voraussichtlich erforderlich wird. Auf Gebäudeebene sollen die Informationen entsprechend in massenbezogenen Quoten angegeben werden.

Dokumentation und aggegierte Zirkularitätsbewertung:

23. Aggregierte quantitative Zirkularitätsbewertung Vor- und Nachnutzungsphase (gemäß anerkannter Methode)

Zirkularität schließt verschiedenste Gebäude- und Materialeigenschaften ein. Dementsprechend herausfordernd ist eine aggregierte Gesamtbewertung der Zirkularität. Die gesamte Zirkularität betrifft alle Lebenszyklusphasen des Gebäudes: Bereits erfolgreiche Wiederverwendung von Bauteilen und der Erhalt von Bausubstanz sind ebenso von Bedeutung, wie die voraussichtliche zukünftige Kreislauffähigkeit. Im Gebäuderessourcenpass kann angegeben werden, ob eine aggregierte quantitative Zirkularitätsbewertung anhand einer anerkannten Methodik durchgeführt wurde und welches Ergebnis darin erzielt wurde. Auf diese Weise wird Transparenz dazu hergestellt, welche Methodik zur Bewertung der Zirkularität herangezogen wurde und es wird ein gewisses Maß an Vergleichbarkeit ermöglicht.

24. Digitale Dokumentation & Schnittstellen vorhanden*
25. Regelmäßige Aktualisierung der Dokumentation nach Austausch.

Derzeit werden verschiedene Ansätze erprobt, um im Gebäude verbaute Materialien und ihre Eigenschaften zu dokumentieren. Ein Gebäuderessourcenpass muss an die aktuelle und zukünftige Planungspraxis anschließen. Schnittstellen zu gängigen digitalen Planungstools sind daher unerlässlich. Die dem Gebäuderessourcenpass zugrundeliegenden Daten sollten ein hohes Maß an Zugänglichkeit aufweisen. Entsprechend sollten sie digital lesbar sein und die Nutzung durch verschiedene berechtigte Akteure über den gesamten Lebenszyklus ermöglichen. So können zum Beispiel Gebäudeeigentümer*innen, Nutzende sowie Bau- und Abbruchunternehmen von der geschaffenen Transparenz profitieren. Auch Renovierungs- und Wartungsarbeiten sollten protokolliert werden, um nicht nur einen Planungsstand, sondern das Gebäude im Ist-Zustand darzustellen.

Kommentierung bis zum 18. September 2022

Über ein Formular hatten Interessierte bis zum 18. September 2022 die Möglichkeit, ihre ersten Anregungen zur Weiterentwicklung des Instruments an die DGNB zu übermitteln.

Nach der Sichtung der eingegangenen Kommentare wird die DGNB eine neue Version des Gebäuderessourcenpasses erstellen.

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Anna Braune
Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung
Telefon: +49 711 722322-67
a.braune at dgnb.de

Digitale
Infoveranstaltung

Aufzeichnung vom 15. August 2022

Unsere Mitglieder