Quartiere sind ein zentrales Element der Stadtgestaltung. Ob Business- oder Stadtquartier, Industriestandort oder Gewerbegebiet – sie strukturieren die vielfältigen Funktionen des städtischen Alltags. Umso wichtiger ist es, sie nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt auch, weil in der Transformation des Gebäudebestands – und damit auch von Quartieren – eine Schlüsselrolle für das Erreichen nationaler, europäischer und globaler Nachhaltigkeits- und Klimaschutzziele liegt. Genau hier setzt das DGNB System Quartiere, Bestand und Sanierung, Version 2026, an: Als Planungs- und Optimierungstool ermöglicht es die Bewertung bestehender Quartiere mit und ohne umgesetzte oder geplante Sanierungsmaßnahmen und zeigt dabei Transformationspotenziale auf.
Das Zertifizierungssystem soll Bestandshaltenden und Projektentwicklern von Quartieren, Kommunen (u. a. Sanierungsträger, Stadtplanung, Wirtschaftsförderung) und (Industrie-)Unternehmen mit eigenen Standorten bei der Zustandsbewertung und Transformation ihrer Bestandsquartiere und -standorte helfen.
Das System ist sowohl im Rahmen einer größer angelegten Transformation und Sanierung eines Quartiers anwendbar als auch zur Bewertung eines Bestandsquartieres mit keinen oder nur kleineren baulichen und gestalterischen Eingriffen. Berücksichtigt werden folgende Quartierstypen:
- Stadtquartiere (gemischt genutztes Quartier mit Wohnanteil von mindestens 10 Prozent)
- Businessquartiere (vorwiegend Gebäude für Dienstleistungen, Sondernutzungen (z.B. Kino) und wohnverträgliche Gewerbeformen, Wohnanteil beträgt maximal 10 Prozent)
- Gewerbegebiete (heterogene Eigentümerstruktur, mindestens zwei unterschiedliche Gebäudearten (beispielsweise Produktion und Büro))
- Industriestandorte (überwiegend industriell genutzter Standort eines Unternehmens)
Einige Banken bieten bessere Finanzierungskonditionen für Vorhaben, die ESG-Vorgaben einhalten. Hier kann ein DGNB Zertifikat als Nachweis gelten.
Außerdem bietet das KfW Programm 432 Energetische Stadtsanierung die Möglichkeit, einige Maßnahmen, die bei einer Zertifizierung umgesetzt werden, anteilig zu fördern. Dazu zählen die Bestandsaufnahme von Grünflächen, die Analyse von Energieeffizienzpotentialen sowie der Wirtschaftlichkeit der Investitionsmaßnahmen, die Erstellung einer Gesamtenergiebilanz des Quartiers und das Einbeziehen betroffener Akteure. Die Zertifizierungsgebühren an sich sind hingegen nicht förderfähig über das Programm.
Eine Finanzierung von DGNB Zertifizierungsgebühren und Aufwänden des DGNB Auditors kann über eine Städtebauförderung mit angefragt werden. Dies ist allerdings eine Einzelfallentscheidung.
Die DGNB kann nicht garantieren, dass eine Finanzierung oder Förderung über die genannten Optionen zustande kommt.
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Zertifizierungskriterien

Das DGNB System für Bestandsquartiere fußt auf den drei zentralen Nachhaltigkeitsbereichen Ökologie, Soziokulturelles und Ökonomie. Außerdem berücksichtigt es die Prozessqualität. Gewichtet werden diese Themenfelder wie folgt:
- Ökologische Qualität: 35 Prozent | 4 Kriterien
- Soziokulturelle und funktionale Qualität: 25 Prozent | 4 Kriterien
- Ökonomische Qualität: 25 Prozent | 4 Kriterien
- Prozessqualität: 15 Prozent | 3 Kriterien
Die Gewichtung einzelner Kriterien variiert je nachdem, ob es sich um ein Stadt- oder Businessquartier handelt oder um ein Gewerbegebiet bzw. einen Industriestandort. Die genauen Regelungen hierzu sind im Kriterienkatalog erläutert.
DGNB Kriterienkatalog Quartiere, Bestand und Sanierung, Version 2026
Auszeichnung und Gültigkeit

Das DGNB System für Bestandsquartiere bewertet wie andere DGNB Systeme nach Erfüllungsgraden. Der Gesamterfüllungsgrad errechnet sich aus der Bewertung der einzelnen Kriterien: Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 35 Prozent erhält das Quartier ein DGNB Zertifikat in Bronze. Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 50 Prozent wird das DGNB Zertifikat Silber vergeben. Für ein DGNB Zertifikat in Gold muss das Projekt einen Gesamterfüllungsgrad von 65 Prozent erreichen. Ab einem Gesamterfüllungsgrad von 80 Prozent wird das DGNB Zertifikat in Platin vergeben. Daneben gilt es, den Mindesterfüllungsgrad in den Themenfeldern der ökologischen, ökonomischen sowie der soziokulturellen und funktionalen Qualität zu beachten.
Digitale Infoveranstaltung
Einblick in das neue DGNB System für Bestandsquartiere mit Stimmen aus der Praxis
- Zeit:10:00 - 11:00 Uhr
- Preis: kostenfrei
- Veranstalter: DGNB
- Sprache: Deutsch
Ausgewählte DGNB-zertifizierte Projekte
Businessquartiere
Businessquartiere
Projektanmeldung
Projekte können nur durch einen DGNB Auditor angemeldet werden. Neben Auditoren mit der Zusatzqualifikation für Quartiere dürfen während der Erstanwendungsphase auch Auditoren einreichen, die bisher einen Fokus auf Gebäude (Neubau und Sanierung) haben. Nach erfolgreicher Konformitätsprüfung erhalten diese die Zusatzqualifikation für den Systembereich Quartiere. DGNB Auditorinnen und Auditoren für Ihr Projekt finden Sie hier.

Hinweis zur Anmeldung für das DGNB System für Bestandsquartiere: Eine Anmeldung und Bearbeitung von Projekten in der DGNB System Software wird voraussichtlich ab September 2026 möglich sein. Bis dahin können sich DGNB Auditoren per E-Mail an quartiere@dgnb.de wenden und die Anmeldemaske anfragen. Hierbei handelt es sich um ein bearbeitbares Formblatt. Um die Anmeldung abzuschließen, muss die ausgefüllte Anmeldemaske an system@dgnb.de sowie quartiere@dgnb.de in Cc versendet werden. Die Bearbeitung erfolgt mit Hilfe der Gewichtungstabelle, dem Mastertool sowie den Dokumentationsblättern. Diese verschicken wir nach der eingegangenen Projektanmeldung und auf Anfrage.
Die Kosten richten sich nach der DGNB Gebührenordnung für Quartiere und Standorte.
Häufig gestellte Fragen
Mit der Systemvariante unterstreicht die DGNB den Stellenwert von Quartieren bei der Transformation des Gebäudebestands und schließt eine Lücke in der DGNB Zertifizierung. Bei der Erarbeitung stand die konsequente Perspektive auf Zukunftsfähigkeit im Vordergrund: Klimaschutz, Klimaanpassung und Förderung des sozialen Zusammenhalts. Die heterogenen Eigentumsstrukturen, Datenlücken sowie eine große Diversität beim Zustand der vorhandenen gebauten Substanz machten es besonders schwierig, ein gemeinsames Set an Anforderungen zu formulieren.
Der Anteil der Bestandsgebäude zum Zeitpunkt der (Vor-)Zertifizierung muss mind. bei 50 Prozent der gesamten Bruttogrundfläche (inkl. Bestand, Sanierung und Neubau) liegen. Gebäude gelten als "bestehend", wenn diese älter als drei Jahre sind – bezogen auf den Zeitpunkt der Einreichung zur ersten Konformitätsprüfung.
Nein, das System kann sowohl zur Bewertung des Ist-Zustandes eines Bestandsquartiers angewendet werden, als auch zur Bewertung von Bestandsquartieren, die saniert bzw. transformiert werden sollen. Hierzu zählen kleinere bis hin zu umfangreichen Sanierungs-, Nachverdichtungs- und Managementmaßnahmen.
Eine Auseinandersetzung mit den Themen sowie die Durchführung von Bestands- und Potenzialanalysen sollte so früh wie möglich erfolgen.
Wenn eine Quartierssanierung angestrebt wird, kann auf Basis einer Rahmenplanung bzw. eines Entwicklungskonzeptes zunächst ein Vorzertifikat gemacht werden. Bei Bestandsquartieren, bei denen keine baulichen Änderungen geplant sind und ein Zertifikat angestrebt wird, kann der Zertifizierungsprozess direkt gestartet werden.
Wenn es innerhalb eines Quartiers Gebäude, Verkehrsflächen oder Freiräume gibt, die bereits ein DGNB Zertifikat haben, können bei einzelnen Indikatoren des DGNB Systems für Bestandsquartiere Punkte angerechnet werden. Eine Zertifizierung von Bestandsquartieren profitiert somit von den Qualitäten der einzelnen Bestandteile.
Der erfolgreiche Abschluss des Praxismoduls "Nachhaltige und lebenswerte Quartiere planen" berechtigt zum Erhalt der Zusatzqualifikation für die Einreichung von Quartiersprojekten. Im kommenden Termin am 21. und 22. Juli 2026 erhalten Teilnehmende eine erste Einführung in das neue DGNB System für Bestandsquartiere. Weitere Informationen darüber, welche Module und Ausbildungswege zur Projektanmeldung für Bestandsquartiere berechtigen, folgen in Kürze.
Es gibt keine Unterscheidung zwischen großen und kleinen Sanierungsmaßnahmen. Wenn größere bauliche Veränderungen anstehen, kommt der Typ "Sanierung" zur Anwendung. Sind aktuell keine baulichen Veränderungen geplant und das primäre Ziel ist, herauszufinden, wie der Ist-Zustand des Quartiers zu bewerten ist, dann kommt der Typ "Bestand" zur Anwendung. Zudem besteht die Möglichkeit, Zertifikate zu erneuern, wenn weitere Maßnahmen umgesetzt werden sollen.
Nein. Beim DGNB System für Bestandsquartiere handelt es sich um eine Neuentwicklung. Bei der Erarbeitung des Systems wurden einige Kriterien gänzlich neu entwickelt. Dazu gehören ENV1, ECO1 und PRO3. Andere Kriterien orientieren sich zwar am DGNB System Quartiere, Version 2020, wurden zum Teil jedoch sehr stark überarbeitet und zusammengefasst, wie beispielsweise beim Kriterium SOC1. Ein 1:1-Abgleich mit dem bestehenden DGNB System für Quartiere ist nicht möglich.
Für neu entwickelte Quartiere gilt nach wie vor das DGNB System für Quartiere in der Version 2020. Das bestehende System ist nicht durch die nun veröffentlichte Systemvariante für Bestandsquartiere betroffen. Es besteht aber die Möglichkeit, die neue Systemvariante im Rahmen einer Flexanwendung auch für neue bzw. teilweise neue Quartiere zu nutzen. Dies ist nur in Absprache mit der DGNB möglich. Bitte kontaktieren sie uns hierfür per E-Mail an quartiere@dgnb.de.
Ja. Kommunen profitieren seit 2025 von den gleichen Preisen wie DGNB Mitglieder. Mehr zu den Sonderkonditionen erfahren Sie hier.
Während der Entwicklung der Kriterien fand ein regelmäßiger Austausch mit unseren Systempartnern in Dänemark statt, die diese Version angepasst auch für ihren Markt anwenden möchten. Weitere Systempartner nutzten die Möglichkeit, uns im Rahmen des üblichen Austauschs sowie bei gemeinsamen Terminen ihre Anregungen bzw. Anforderungen mitzuteilen. Zudem wurden wir von einer Arbeitsgruppe von Expertinnen und Experten unterstützt, die intensiv mit uns an den Kriterien gearbeitet hat. Darüber hinaus waren Gremien, wie beispielsweise der DGBN Fachausschuss am Entwicklungsprozess beteiligt. Weitere Impulse haben wir aus Workshops gewonnen, die für alle Interessierten geöffnet waren, sowie durch eine Pilotphase, in der das System bereits an konkreten Projekten angewendet worden ist.
Ihre Ansprechpersonen
Svenja Strauß
Teamleiterin Zertifizierung Quartiere
- Tel.: +49-711-722322-125
- E-Mail: s.strauss@dgnb.de
Richten Sie Ihre Fragen gerne auch an unser Postfach: quartiere@dgnb.de
