Das Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte der DGNB leistet einen wesentlichen Beitrag, um die Dekarbonisierung des Gebäudebestands bis 2050 praktisch umsetzbar zu machen. Die aktuelle Fassung vom Juni 2026 stellt eine Aktualisierung und Weiterentwicklung der vorherigen Versionen von 2020 und 2018 dar, deren Methodik an zahlreichen Projekten angewendet und evaluiert wurde. Zudem wurde im August 2020 eine englische Version veröffentlicht, die als Basis für eine internationale Anwendung dient.

DGNB Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte | Überarbeitete Fassung
Hinweis: Die 2020 veröffentlichte Version des DGNB Rahmenwerks finden Sie weiterhin hier zum Download.
Was ist das Rahmenwerk?
Die Transformation des Gebäudesektors hin zur Klimaneutralität erfordert klare Zielbilder und verlässliche Entscheidungsgrundlagen. Eigentümer, Investoren, Planende und Betreiber stehen vor der Herausforderung, ihre Gebäude unter sich verändernden regulatorischen, technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zukunftsfähig auszurichten. Das DGNB Rahmenwerk für klimaneutrale Gebäude und Standorte bietet hierfür eine fundierte Orientierung.
Es hilft dabei, den aktuellen Klimaschutzstatus von Gebäuden zu bestimmen, realistische Transformationspfade und Maßnahmen zu definieren und Fortschritte transparent zu dokumentieren. Gleichzeitig ordnet es zentrale regulatorische Anforderungen in eine anwendbare Methodik ein und unterstützt so fundierte Investitions- und Modernisierungsentscheidungen.
Im Mittelpunkt stehen drei klar definierte Klimaschutzkategorien sowie gebäudeindividuelle Klimaschutzfahrpläne, die konkrete Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität aufzeigen. Die Bewertung von Gebäuden basiert dabei auf einer ganzheitlichen Betrachtung von Treibhausgasemissionen und Energie. Vor diesem Hintergrund wird auch die Rolle von Gebäuden als aktive Bestandteile des Energiesystems einbezogen, die sowohl zur Reduktion von Treibhausgasemissionen als auch zur Erhöhung der Versorgungssicherheit und zur Stärkung der Resilienz beitragen können.
- Eigentümer und Bestandshalter
Das Rahmenwerk unterstützt dabei, Gebäude und Standorte langfristig zukunftssicher auszurichten und Investitionen strategisch zu priorisieren. - Investoren und Finanzierer
Das Rahmenwerk schafft Transparenz über Klimawirkung, Transformationsfähigkeit und regulatorische Anschlussfähigkeit von Immobilien. - Architekten und Planende
Das Rahmenwerk unterstützt bei der Entwicklung ganzheitlicher Transformations- und Energiekonzepte für Gebäude und Standorte. - Fachplaner und Berater
Das Rahmenwerk liefert eine strukturierte Methodik zur Bewertung, Bilanzierung und Entwicklung von Klimaschutzfahrplänen. - Betreiber und Facility Management
Das Rahmenwerk hilft dabei, Energieverbräuche und Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, zu optimieren und transparent zu dokumentieren. - Unternehmen mit ESG- und Reportingpflichten
Das Rahmenwerk unterstützt bei der strukturierten Erfassung klimarelevanter Gebäudedaten und der Vorbereitung von ESG- und Nachhaltigkeitsreportings. - Politische Entscheidungsträger und Kommunen
Das Rahmenwerk bietet Orientierung für die strategische Entwicklung kommunaler Gebäudeportfolios und die Umsetzung langfristiger Klimaziele.
Aufbau und Inhalte des Rahmenwerks im Überblick
Um Ambitionsniveaus und Etappenziele für die Transformation des Gebäudebestands zur Klimaneutralität zu setzen, definiert das Rahmenwerk drei Klimaschutzkategorien, die von nahezu allen Gebäuden schrittweise erreicht werden können. Die Klimaschutzkategorien dienen als Transformationswerkzeug für die Praxis und unterstützen die Akteure darin, angekündigten Verpflichtungen rechtzeitig nachzukommen und Gebäudebestände maximal wirksam auf die Klima- und Energieziele Europas auszurichten.
Die DGNB möchte durch eine breite Anwendung der Klimaschutzkategorien die Transformation aktiv begleiten und bei der Umsetzung unterstützen: Innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte soll eine Verschiebung des Anteils unserer Gebäudebestände, die heute klimaschädigend betrieben werden und die Energiewende behindern, hin zu einer hohen Klima- und Energieperformance erreicht werden. Die Klimaschutzkategorien bieten hierfür erreichbare Zwischenschritte und Stabilität für richtungssichere Entscheidungen für diese Transformation.
Kriterien für die Festlegung von Etappenzielen und die Einordnung von Gebäuden in eine der Klimaschutzkategorien lassen sich nicht allein von einem Wert (z. B. dem berechneten Treibhausgasausstoß) ableiten, sondern müssen verschiedene Faktoren berücksichtigen. Zur Definition der Klimaschutzkategorien und die Einordnung von Gebäuden in diese Kategorien beschreibt das Rahmenwerk daher sieben Differenzierungsmerkmale. Sie bilden die Grundlage für eine effektive Bewertung von Gebäuden hinsichtlich übergeordneter Klimaziele sowie für eine fachliche Beurteilung von Transitionsplänen, mit deren Hilfe Gebäude die Klimaziele erreichen sollen.
Diese Informationen finden Sie in Teil 1 des Rahmenwerks:
- 1.1 Transformation des Gebäudesektors zur Klimaneutralität
- 1.2 Klimaschutzkategorien als neues Instrument für die Transformation
- 1.3 Die Klimaschutzkategorien im Überblick
- 1.4 Detaillierte Beschreibung der Klimaschutzkategorien
- 1.5 Anwendung der Klimaschutzkategorien zur Zustandsermittlung
Klimaschutz und die dazugehörigen Investitionen müssen zielgerichtet geplant werden. Nur wer klare Ziele für seine Gebäude definiert, diese nachhält und Maßnahmen zukunftsorientiert umsetzt, kann Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit optimal zusammenbringen. Gebäudeindividuelle Klimaschutzfahrpläne dienen dazu, notwendige Maßnahmen und Transformationsschritte strukturiert zu planen und zeitlich einzuordnen. Das Rahmenwerk zeigt hierfür ein strukturiertes Vorgehen in mehreren Phasen und beschreibt zudem die Verbindung zu bestehenden Instrumenten wie dem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) oder dem Renovierungspass gemäß EPBD.
Diese Informationen finden Sie in Teil 2 des Rahmenwerks:
- 2.1 Ziele und Nutzen von Klimaschutzfahrplänen
- 2.2 Grundprinzip eines Klimaschutzfahrplans
- 2.3 Grundprinzipien für die Begrenzung der Klimawirkung: Zielpfade, CO2-Zielwerte und CO2-Limits
- 2.4 Erstellung von klima- und energiezielkompatiblen Klimaschutzfahrplänen für Gebäude
- 2.5 Synergien des Klimaschutzfahrplans mit individuellem Sanierungsfahrplan (iSFP) und Renovierungspass
Eigner und Betreiber von Gebäuden, Bauherren und Planer, Investoren, Finanzexperten und politische Entscheidungsträger, aber auch Kunden, Mitarbeiter und Anwohner: Immer mehr Personengruppen haben Interesse an Kennzahlen zum CO2-Ausstoß von Gebäuden. Die Informationen fließen bei Miet- oder Kaufentscheidungen ein, wirken als Nachweis gegenüber ökologisch motivierten Geldgebern oder beweisen die Effektivität der durchgeführten Klimaschutzmaßnahmen.
Für die Kommunikation von klimaschutz- und energierelevanten Informationen ist es wichtig, dass die zugrundeliegende Ermittlungsgrundlage verlässlich ist. Sie sollte zudem so aufbereitet sein, dass die Informationen von den adressierten Zielgruppen verstanden werden. Informationen zum Status und damit zur Einstufung sind für einige Akteure ausreichend, anderen müssen genaue Kennzahlen geliefert werden. Die Kommunikation muss beiden Ansprüchen gerecht werden.
Werden klimaschutzrelevante Kennzahlen von Gebäuden gemäß den in Teil 1 des Rahmenwerks formulierten Bilanzierungsregeln öffentlich kommuniziert, ist zur Qualitätssicherung und Validierung zudem eine Überprüfung der Bilanzergebnisse durch externe Dritte zu empfehlen.
Diese Informationen finden Sie in Teil 3 des Rahmenwerks:
- 3.1 Klimaschutzmanagement auf Basis von Klimaschutzfahrplänen
- 3.2 Kommunikation von klimaschutz- und energierelevanten Informationen
Bezug des Rahmenwerks zur DGNB Zertifizierung
Als Anreiz, das Rahmenwerk anzuwenden und Klimaschutz in die Tat umzusetzen, kann das DGNB System verstanden werden. Die verschiedenen Zertifizierungsformen der DGNB bieten unterschiedliche Anknüpfungspunkte und Motivationen, um sich mit Klimaschutzanforderungen auseinanderzusetzen. Dabei geht es zum Beispiel um die Planung und Ausführung von Neubauten oder Sanierungen mit geringem CO2-Ausstoß der Konstruktion oder einen klimaneutralen Gebäudebetrieb.
Folgende DGNB Systeme verweisen in den Kriterien auf das DGNB Rahmenwerk in der überarbeiteten Fassung 2026:
- DGNB System Gebäude Neubau, Version 2023.2 | ENV1.1 Klimaschutz und Energie, insbesondere: Indikator 3 "Bewertung Klimaschutz und Energie" sowie die Boni für Klimaschutz innerhalb des Kriteriums
- DGNB System Gebäude im Betrieb,Version 2026 | ENV1-B Klimaschutz und Energie, insbesondere: Zielvereinbarung und der darauf aufbauende Klimaschutzfahrplan
- DGNB System Quartiere Bestand und Sanierung, Version 2026 | ENV1 Klimaschutz und Energie
Hinweis: Für alle anderen Systeme, die auf vorherige Versionen des DGNB Rahmenwerks verweisen, gilt weiterhin die entsprechende Fassung.
Gebäude, die basierend auf ihren realen Verbrauchsdaten nachweislich klimaneutral betrieben werden, können zudem die DGNB Auszeichnung "Klimapositiv" erhalten. Die Vergabegrundlage richtet sich dabei immer nach der Fassung des Rahmenwerks, auf welche sich das jeweilige DGNB System bezieht. Die Vergabegrundlage für die Fassung 2026 befindet sich in der Finalisierung. Bei Interesse an der DGNB Auszeichnung "Klimapositiv", wenden Sie sich bitte per E-Mail an gib@dgnb.de.
Weitere Quellen im Zusammenhang mit dem Rahmenwerk
Parallel zur Version 2020 des Rahmenwerks hat die DGNB die Publikation "Klimapositiv: Jetzt! Wie jedes Gebäude einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann" veröffentlicht. In dieser werden nähere Hintergründe aufgezeigt, warum der Bau- und Immobiliensektor eine zentrale Rolle beim Klimaschutz spielt und warum es einen Paradigmenwechsel im Umgang mit unseren Gebäuden braucht. Zudem werden Handlungsfelder benannt, die wesentlichen Einfluss darauf haben, dass Gebäude klimaneutral werden.
Über das Projekt "WiTraBau" (Wissenstransfer Bau: Wissensplattform für die Transformation zu einem klimaneutralen Gebäudebestand) hat die DGNB darüber hinaus eine Toolbox veröffentlicht. In dieser gibt es unter anderem Tipps zur detaillierten Anwendung des Rahmenwerks sowie wertvolle Werkzeuge etwa zur Berechnung von CO2-Bilanzen. Zudem werden Gebäude, die bereits heute klimapositiv betrieben werden, als Fallstudien vorgestellt.
Förderhinweis Die Überarbeitung des DGNB Rahmenwerks für klimaneutrale Gebäude und Standorte wurde von der Laudes Foundation und der IKEA Foundation im Rahmen des Projekts #BuildingLife2 gefördert. |
Ihre Ansprechpersonen
Dr. Anna Braune
Abteilungsleiterin Forschung und Entwicklung
- Tel.: +49-711-722322-67
- E-Mail: a.braune@dgnb.de
Jenny Goldbach
Zertifizierung / Gebäude im Betrieb / LCA-Softwareanerkennung
- Tel.: +49-711-722322-173
- E-Mail: j.goldbach@dgnb.de



