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DGNB Talks "Nachhaltig ist das neue Normal"

DGNB Talks "Nachhaltig ist das neue Normal"

Bestehendes hinterfragen, Neues wagen, Grenzen überschreiten: Das ist es, was Vordenker und Pioniere auszeichnet. Bei den DGNB Talks haben vier solcher außergewöhnlichen Menschen eine Bühne erhalten, um ihre Geschichte zu erzählen – Wissenschaftler und Praktiker, für die Nachhaltig bereits zum neuen Normal geworden ist. In Impulsvorträgen wurden Denkanstöße angegeben, die zum Nachdenken und Nachahmen animieren. Sie haben aufgezeigt, warum viele heute immer noch Ausreden suchen und finden, um nicht nachhaltig zu handeln, anstatt es einfach zu tun. Gemeinsam mit dem Publikum diskutierten die Referenten über Möglichkeiten, wie vorhandenen Barrieren überschritten werden können und Nachhaltigkeit auch praktisch den Weg aus den Köpfen in die Hände finden kann.

Die DGNB Talks "Nachhaltig ist das neue Normal" haben am 20. Juni 2018  im Anschluss an die DGNB Mitgliederversammlung im FORUM Haus der Architekten in Stuttgart stattgefunden. 

Referenten


© Tina Linste

Van Bo Le-Mentzel

Co-Being House - ein neuer Wohntyp für eine enkeltaugliche Stadt

Bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware. Und der Berliner Architekt Le-Mentzel fragt sich, inwiefern genau hier die Ursache des Übels ist: Wohnraum ist zur Kapitalanlage verkommen. Gemeinsam mit Senioren, Wohnungslosen und Geflüchteten hat Le-Mentzel, der selbst aus Laos geflohen ist vor vielen Jahren, Grundrisse entwickelt, die eine Wohnung in Gemeinschaft ermöglichen soll, wo die kleinste Wohnung eine Monatsmiete von nur 100 Euro warm kosten soll. Mikrowohnungen in Mehrgenerationenhäusern.

Lebenslauf

Architekt, Autor und Filmemacher aus Berlin. Van Bo Le-Mentzel ist Initiator mehrerer Initiativen zwischen Design und sozialer Teilhabe. Bekannte Projekte sind Hartz IV Möbel (2010), One Sqm House (2013), Karma Chakhs (2013), tinyhouse University (2015). Seine Möbel wurden international ausgestellt (Vitra Design Museum, MfG Zürich, Arko Art Center Seoul, Bröhan Museum Berlin, MAK Wien u.a.) Er engagiert sich bei dem Verein DeutschPlus für mehr Chancengerechtigkeit (DeutschPlus Tag der Grundrechte). In 2016 erschien sein erster Kinofilm "3min of Fame, Love and Peace", ein interreligiöses Projekt mit Juden und Moslems. Für seine Initiativen wurde Le-Mentzel mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem ZEIT Wissen Preis und dem Bayreuther Dialog Preis. In 2015 begann Le-Mentzel mit dem Selbstexperiment "Democratic Scholarship" ein bedingungsloses Grundeinkommensjahr, in dem er ohne Vergütung für jeden bedingungslos arbeitet. Aktuell trägt der zweifache Vater mit der 100 Euro Wohnung einen konstruktiven Beitrag zur Wohnkulturdebatte bei. Im November 2016 erschien sein neuestes Buch "Der Kleine Professor" (Ecowin). In 2017 kuratiert Le-Mentzel den Bauhaus Campus im Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung.


Prof. Dr. Friedrich von Borries

Über Folgenlosigkeit

Betrachtet man den Nachhaltigkeitsdiskurs der letzten 40 Jahre, so kann man konstatieren: er war relativ folgenlos. Ist das nun eine Kritik, eine Diagnose des Scheiterns, oder ein Lob, eine Bestätigung, dass alles richtig gelaufen ist? Zwar leben wir in einer Zeit, in der alle nach „Erfolg", also großer Folgenhaftigkeit, streben. Gleichzeitig lautet das Mantra des Nachhaltigkeitsdiskurses, dass unser Handeln möglichst keine (irreversiblen) Folgen haben solle. „Folgenlosigkeit" ist also die eigentliche moralische Prämisse nachhaltiger Entwicklung – und wir müssen uns aus ethischer Perspektive nicht mehr fragen, was wir tun sollten, sondern, was wir nicht tun sollten, um möglichst folgenlos zu bleiben.

Lebenslauf

Prof. Dr. Friedrich von Borries, geboren 1974, ist Architekt und lehrt seit 2009 Designtheorie an der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK).
Er studierte Architektur an der Universität der Künste Berlin, der ISA St. Luc Bruxelles und an der Universität Karlsruhe (TH), wo er 2004 promovierte. Von 2001 bis 2003 unterrichtete er an der Technischen Universität Berlin, von 2002 bis 2005 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Stiftung Bauhaus Dessau und arbeitete dort u.a. im Projekt »Schrumpfende Städte«. 2007 bis 2008 war er Gastwissenschaftler an der ETH Zürich und am MIT Cambridge sowie Gastprofessor an der Akademie der bildenden Künste Nürnberg. 2003 bis 2009 leitete er gemeinsam mit Matthias Böttger das Büro raumtaktik in Berlin. Außerdem war er Mitglied der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie für Naturforscher Leopoldina (2007 bis 2012) sowie Generalkommissar für den Deutschen Beitrag auf der XI. Architekturbiennale (2008) in Venedig.
Mit seinem Berliner Projektbüro Friedrich von Borries agiert er in den Grenzbereichen von Stadtentwicklung, Architektur, Design und Kunst. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht das Verhältnis von Gestaltung und gesellschaftlicher Entwicklung. »Als Wissenschaftler versuchen wir, die Welt zu verstehen. Als Gestalter versuchen wir, diese Welt zu verändern. Deshalb setzen wir uns forschend und entwerfend mit den politischen Fragen auseinander, die unsere Gegenwart bestimmen: Möglichkeiten gesellschaftlicher Transformation in Zeiten von wachsender ökonomischer Ungleichheit, Umweltzerstörung und Klimawandel, Überwachungstechnologien und antidemokratischer Sicherheitspolitik.«


© Oberzaucher/Klaus Pichler

Dr. Elisabeth Oberzaucher

Nachhaltigkeit als Statussymbol

Viele unserer Alltagsentscheidungen treffen wir spontan und emotional aus dem Bauch heraus. Nur selten kommt ein reflektiertes Abwägen der Argumente zum Einsatz. In der Nachhaltigkeitsdebatte werden jedoch überwiegend rationale Argumente eingesetzt, um Menschen zum nachhaltigen Verhalten zu bewegen. Damit nachhaltiges Verhalten ein Massenphänomen wird, ist es notwendig, dass die Entscheidung, die nachhaltige Alternative zu wählen, spontan und emotional die naheliegende wird. Dabei kann ein Verständnis der Vorlieben und Bedürfnisse der Menschen unterstützend wirken. Nachhaltigkeit als Statussymbol zu besetzen, ist ein möglicher Ansatz, der ein Umdenken bewegen könnte.

Lebenslauf

Dr. Elisabeth Oberzaucher studierte Zoologie und Anthropologie an den Universitäten Wien und Würzburg. Von 2016 bis 2017 hatte Sie eine Professur für Gleichstellung, Adaptivität und Vielfalt an der Universität Ulm. Die Verhaltensbiologin lehrt und forscht an der Universität Wien, leitet das Forschungsinstitut Urban Human, ist Vizepräsidentin der International Society for Human Ethology und Mitglied der Science Busters.
Ihre Forschung spannt den Bogen von nonverbaler Kommunikation über evolutionäre Ästhetik und Mensch-Umwelt-Interaktion bis hin zu evolutionären Gender Studies.


© Bernd Henkel

Dr. Michael Kopatz

Und erlöse den Bauherrn! Verhältnisse ändern Verhalten

Alle sind für den Klimaschutz. Aber niemand will sich einschränken. Ökoroutine möchte durch Standards und Limits die Verhältnisse ändern. Kopatz meint: „Schluss mit moralischen Appellen! Strategischer Konsum ist ein Mythos." Es ist einfacher die Bedingungen im Stall zu verbessern als das Konsumverhalten. Nullemissionsautos können bis 2030 der Standard für Neuzulassungen werden. Nullenergiehäuser sind bald die Norm. So wird Öko zur Routine. Viele Beispiele zeigen: Das Konzept funktioniert bereits in der Praxis.

Lebenslauf

Dr. Michael Kopatz, Diplom Sozialwissenschaftler, studierte im Schwerpunkt Umweltpolitik/Umweltplanung und ist seit 1997 wissenschaftlicher Projektleiter in der Forschungsgruppe »Energie-, Verkehrs- und Klimapolitik« am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.
Gegenwärtige Arbeitsfelder: Kommunaler Klimaschutz, Maßnahmen zur Vermeidung von Energiearmut, Arbeit und Nachhaltigkeit (Arbeit fair teilen), Lebensstilwende
Buchprojekte: »Zukunftsfähiges Deutschland«, »Zukunftsfähiges Hamburg«, »Energiewende. Aber fair!«. Sein aktuelles Buch hat den Titel »Ökoroutine. Damit wir tun, was wir für richtig halten«.


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Tamara Bebion
Messen und Veranstaltungen
Telefon: +49 711 722322-76
t.bebion at dgnb.de

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