DGNB
Reports der DGNB

Lebenswert und Zukunftsfähig

Der Mensch im Mittelpunkt des nachhaltigen Bauens

Bis zu 90 Prozent unserer Zeit verbringen wir in Gebäuden. Wir leben, lernen und arbeiten in ihnen, wir haben Kontakt zu unseren Mitmenschen, suchen Schutz vor äußeren Einflüssen, und im besten Fall bieten sie uns Raum zur Erholung. All das sollten bereits ausreichend Argumente sein, Gebäude nicht allein als funktionale Aufenthaltsräume zu verstehen, sondern als unsere Umwelt, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Doch nimmt der Mensch heute diese zentrale Rolle auch bei der Gestaltung der Gebäude oder deren Umbau ein? Wird so geplant und gebaut, dass die Bedürfnisse der Nutzer im Vordergrund stehen? Für einen Großteil der Gebäude gilt das sicher nicht. Was paradox ist, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es betriebs- und volkswirtschaftlich nichts Bedeutsameres gibt als gesunde, leistungsfähige und zufriedene Menschen.

Gebäude haben einen enormen Einfluss auf unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Produktivität. Dies wird gern übersehen, ist aber unbestreitbar. Hier müssen wir doch fragen, was sind Gebäude überhaupt wert, in denen Menschen sich nicht gern aufhalten? Die sie krank machen und nicht kreativ werden lassen? Diese Fragen stellen sich Bauherren und Planer häufig nicht oder oft spät, wenn das Gebäude bereits steht und Flächen bezogen sind.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde viel Wissen darüber generiert, wie sich durch eine gebaute Umwelt Krankheiten vorbeugen, Gesundheit fördern und optimale Arbeitsbedingungen schaffen lassen. Und erfreulicherweise haben viele Unternehmen mittlerweile verstanden, dass ihre Mitarbeiter ihr wichtigstes Kapital sind. Dass alle Kosteneffizienz in puncto Energie, Wasser oder Reinigung wenig bringt, wenn sich Fehlzeiten erhöhen und Unzufriedenheit über die Arbeitsumgebung herrscht. Denn über den gesamten Nutzungszeitraum eines Bürogebäudes lassen die Personalkosten eines Unternehmens die Investitionskosten, die Wartungs- und Energiekosten im Verhältnis sehr klein aussehen: Sie machen typischerweise mit 80 bis 90 Prozent den weitaus größten Anteil aus.

Für Menschen eine attraktive Lebenswelt zu schaffen, ist in unser Zeit, die geprägt ist durch Globalisierung, demographischen Wandel und eine immer stärker ausgeprägte Dienstleistungsgesellschaft, von enormer Wichtigkeit. Auch der Wettbewerb um die besten Talente entscheidet sich daran, in welchen Gebäuden und Räumen Mitarbeiter ihre Lebenszeit verbringen möchten.

Heißt im Umkehrschluss: Wir müssen qualitätsvolle Gebäude bauen, die damit als Zeichen der Wertschätzung für Menschen sind. Und nicht nur bei der Arbeit: Auch in unseren Wohnungen oder in den Gebäuden, die wir in unserer Freizeit aufsuchen. Räume sollten sich an die Bedürfnisse der Menschen anpassen und nicht andersherum. Dies gilt für Schüler, für Fabrikarbeiter, für Büroangestellte, für Bewohner. Für alle Menschen.

Frische Luft, sauberes Wasser, stimulierende Umgebung, angenehme Temperaturen und Lichtverhältnisse sowie individuelle Einflussmöglichkeiten darauf. Dazu eine gute Akustik und keine Belästigung durch Lärm. Dies alles sollten grundlegende Maßstäbe für die Gebäudeplanung sein. Den Menschen (wieder) in den Mittelpunkt zu stellen mag für manchen Bauherren wie eine neue Disziplin oder zumindest eine neue Perspektive sein. Aber eigentlich ist es doch das dringend notwendige Rückbesinnen auf den Sinn und Zweck unserer Gebäude: Schutz und Wohlbefinden zu bieten. Wir von der DGNB sehen dies schon immer als normal an und haben die entsprechenden Prinzipien und Schwerpunkte daher von Beginn an in unserem Zertifizierungssystem verankert. Darin setzen wir Anreize dafür, Lösungen umzusetzen, die soziokulturelle und funktionale Qualitäten von Gebäuden und Quartieren mit ökologischen und ökonomischen Qualitäten zu vereinen.

Wie für den Menschen ganz konkret geplant und gebaut werden kann, und wie die verschiedenen an Planung, Bau und Betrieb beteiligten Personen diese Ansätze für sich nutzen können, soll dieser Report verdeutlichen. Er soll auf Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzeigen, was in den Phasen der Planung, Umsetzung und im laufenden Betrieb gemacht werden kann, um die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Menschen in den Gebäuden sicherzustellen und zu steigern. Die eigentlich ausschlaggebende Maßeinheit für ein erfolgreiches Neubau-, Sanierungsoder Umbauprojekt ist eine hohe Zufriedenheit derer, die die Räume nutzen und bewirtschaften.

Nicht zuletzt soll diese Publikation eine Brücke schlagen: Von den Planern und Architekten mit ihren Ideen und ihrem Fachwissen auf der einen Seite hin zu den Akteuren, die die Verantwortung tragen, damit Mitarbeiter und Kunden, Bewohnern und Gäste, Studierende und Schüler ein adäquates Arbeits-, Lebens- und Lernumfeld vorfinden: Personalverantwortliche und Rektoren, Werksleiter und Hotelbetreiber, Betreiber von Einkaufszentren und Wohnungsbaugesellschaften.

 

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