DGNB
27.02.2018

Neues DGNB Zertifizierungssystem setzt gezielt Anreize für mehr Innovation im Bauen

Die Zertifizierung von nachhaltigen Gebäuden hat sich in der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft in den letzten Jahren erfolgreich etabliert. Das eigentliche Ziel einer Zertifizierung, wie es die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) versteht, ist aber für Bauherren noch zu oft im Hintergrund. So geht es der DGNB darum, bessere und qualitätsgesicherte Gebäude zu bauen. Die in den vergangenen Monaten weiterentwickelte, neue Version des DGNB Systems stellt diese Motivation in den Vordergrund und setzt dabei im internationalen Vergleich neue Maßstäbe bei der Gebäudezertifizierung. Gezielt belohnt wird, wer sich frühzeitig und ganzheitlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt und mehr macht im Bereich Klimaschutz und Circular Economy. Das für die praktische Anwendung optimierte Planungstool fördert Innovation, sichert Qualität und setzt zudem Impulse zur stärkeren Sektorenkopplung.

„In der Weiterentwicklung des DGNB Systems steckt unheimlich viel mehr drin als eine reine Anpassung von Zielwerten", erklärt Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand der DGNB. „Es ist ein entscheidender Schritt, um den eigentlichen Zweck der Zertifizierung von Gebäuden umfänglich in den Fokus zu setzen: Ein Planungstool, das dazu motiviert, sich intensiv mit der Bauaufgabe zu beschäftigen und das Gebäude mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus optimal zu gestalten. Und es ist ein Tool zur Qualitätssicherung, das über alle Planungs- und Bauphasen hinweg dabei hilft, nachweislich bessere Gebäude zu bauen."

Planerische Freiheit und Belohnung innovativer Lösungen

Zu den wesentlichen Weiterentwicklungen des DGNB Systems zählt die gezielte Förderung neuer, innovativer Lösungen. „Wenn eine Zertifizierung dazu beiträgt, an den richtigen Stellen Anreize zu setzen, kann es als Mittel zum Zweck viel bewegen", so Lemaitre. „Entscheidend ist dabei, den Architekten und Planern die notwendig große Freiheit zu lassen und ihnen keinen starren Rahmen vorzugeben." Im neuen DGNB System wurde dies in 18 der 37 Kriterien erstmalig über sogenannte Innovationsräume implementiert. Dabei können neuartige Lösungsansätze in gleicher Weise in der Zertifizierung berücksichtigt werden wie bestehende, sofern sie nachweislich zum selben oder besseren Ergebnis führen.

In eine ähnliche Richtung zielen die neu eingeführten Boni, die in einer Vielzahl von Kriterien integriert wurden. Ob mit Bezug zu den Themen der Circular Economy oder den Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen: Wer mit Blick auf die Ressourcen und den Klimaschutz sinnvoll mehr macht, für den gibt es 22-mal die Möglichkeit, Pluspunkte beim Zertifizierungsergebnis zu erzielen. „Die DGNB setzt hier im Kontext der Gebäudezertifizierung im internationalen Vergleich völlig neue Maßstäbe", erklärt Lemaitre. „So explizit und konsequent wurden neuartige, ganzheitliche Lösungsansätze zu so wichtigen Zukunftsthemen wie der Circular Economy bislang noch nicht gefördert."

Auch innerhalb der Kriterien wurde der Mehrwert einer frühzeitigen, integralen Planung über eine höhere Gewichtung hervorgehoben – so etwa bei der Ökobilanzierung und der Lebenszykluskostenrechnung, den Kriterien mit dem größten Anteil an der Gesamtbewertung bei der DGNB. Hier wird belohnt, wer schon zu Beginn der Planung über Variantenrechnungen die für das Projekt geeigneten Entscheidungen trifft.

„Uns ist wichtig, dass Dinge nicht nur gemacht oder dokumentiert werden, weil die DGNB es so vorschreibt", sagt Lemaitre. „Es geht darum, über eine gute Planung eine ganzheitlich höhere Qualität für das individuelle Projekt zu erreichen." Dazu gehört auch der Blick über die Grenzen des Gebäudegrundstücks hinaus. Neben der Einbindung von Themen wie Lichtverschmutzung hat die DGNB auch die vier Kriterien der Standortqualität ganz neu in die Gesamtbewertung mit aufgenommen. Positiv bewertet wird zum Beispiel, wenn das Gebäude einen Beitrag für das Quartier leistet, etwa im Bereich der Energieversorgung, aber genauso wenn es die Gegebenheiten im Quartier auf geeignete Weise in der Gebäudeplanung selbst berücksichtigt.

Qualitätssicherung über alle Planungs- und Bauphasen hinweg

Die unabhängige Überprüfung und Bestätigung der erreichten Qualität ist eine originäre Aufgabe von Zertifizierung. Genauso wichtig ist jedoch, dass schon während der Planungs- und Bauphase Maßnahmen getroffen werden, die sicherstellen, dass die geplante Qualität tatsächlich auch umgesetzt wird. Um dies zu fördern, hat die DGNB einige wichtige Stellschrauben im System nochmals optimiert und dabei insbesondere an den kritischen Schnittstellen entlang der Wertschöpfungskette beim Bauen angesetzt. So ist ab sofort beispielsweise eine Materialüberwachung auf der Baustelle obligatorisch, will man beim Thema Schad- und Risikostoffe die höchsten Bewertungskategorien erreichen. Zudem wird eine Einweisung der Bauleitung auf Basis der erstellten Anforderungslisten der zu verwendenden Bauprodukte neu gefordert.

Auch die Anschlussfähigkeit an die Phase des Gebäudebetriebs hat die DGNB im System strukturell verankert. Mit der „FM-gerechten Planung" und der „Nutzerkommunikation" setzen gleich zwei neue Kriterien genau hier an, damit das im Neubau angelegte Nachhaltigkeitspotenzial in der praktischen Nutzung auch tatsächlich ausgeschöpft wird. Überhaupt wurden die Themen der Prozessqualität, die maßgeblich dazu beitragen, die Gebäudequalität über alle Phasen hinweg zu gewährleisten, insgesamt aufgewertet.

Zudem geht die DGNB aus regulatorischer Sicht im neuen System noch vorausschauender mit dem Thema Zukunftssicherheit um. Dies betrifft Themen wie den Einsatz von Kältemitteln, bei dem heute schon klar ist, was in den kommenden Jahren rechtlich gefordert sein wird. Die DGNB Zertifizierung trägt hier dazu bei, teure Umrüstungen und Sanierungsmaßnahmen präventiv vorzubeugen.

DGNB setzt auf Responsible Sourcing und forciert Sektorenkopplung

Mit dem neuen Zertifizierungssystem setzt die DGNB noch einige wichtige Schwerpunkte bei Themen, die über die unmittelbare Bauaufgabe hinausgehen. So zum Beispiel beim Thema Biodiversität oder mit dem Kriterium „Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung". Dieses betrachtet die gesamte Weiterschöpfungskette der eingesetzten Produkte und fordert die Einhaltung von anerkannten ökologischen und sozialen Standards bei der Rohstoffgewinnung und Verarbeitung. Wer hingegen recyclierte Werkstoffe einsetzt und damit dazu beiträgt, dass die Frage nach einem Responsible Sourcing überhaupt nicht gestellt werden muss, wird im gleichen Umfang bei der DGNB Zertifizierung belohnt.

Auch der Beitrag eines Gebäudes zur Verkehrs- und Energiewende wird über das DGNB System unterstützt. Anlagen, die ein bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen ermöglichen, werden genauso positiv bewertet wie die Einbindung von regenerativen Energien für die im Gebäude erforderlichen technischen Systeme. Bei der Frage nach der Gebäudetechnik fördert die DGNB eine Gebäudekonzeption mit einer bestmöglichen Nutzung passiver Systeme.

Neues DGNB System Ergebnis einer umfassenden Kommentierung

Im Juni 2017 hatte die DGNB ihr neues Zertifizierungssystem erstmals präsentiert und für Experten aus allen Bereichen der Bau- und Immobilienbranche zur Kommentierung bereitgestellt. Über 550 Anmerkungen von Mitgliedern, Auditoren und Consultants der DGNB wurden geprüft und bearbeitet. Zusätzlich gab es eine umfassende Auseinandersetzung mit kritischen Stimmen aus dem Markt zum bisherigen DGNB System, z.B. zu dessen praktischer Anwendbarkeit. Das Ergebnis ist eine Form der Nachhaltigkeitszertifizierung, die gezielt auf die Bedürfnisse der Anwender abgestimmt ist und die Zukunftsfähigkeit von Gebäuden mehr denn je fördert.

Gültig ist die neue Version des DGNB Systems gleich für neun verschiedene Nutzungstypen: für Büro- und Verwaltungsgebäude, Verbrauchermärkte, Shoppingcenter und Geschäftshäuser ebenso wie für Bildungsbauten, große Wohngebäude, Logistikimmobilien, Produktionsstätten und Hotels. In den kommenden Monaten arbeitet die DGNB intensiv daran, die weiteren Systemvarianten in der Zertifizierung an die Systematik der neuen Version anzupassen. Auch eine englischsprachige Fassung sowie ein Leitfaden zur Anwendung des DGNB Systems bei internationalen Projekten werden im Laufe des Jahres folgen.

DGNB Marktführer in Deutschland und international etabliert

Weltweit hat die DGNB in über 20 Ländern bereits mehr als 2.800 Auszeichnungen vergeben. In Deutschland ist die DGNB mit einem Marktanteil von über 80 Prozent bei Neubauten seit Jahren unangefochtener Marktführer im Bereich von Gewerbeimmobilien. Das jährliche Wachstum in den vergangenen Jahren lag jeweils bei über 20 Prozent. „Wir merken, dass das Interesse an der Zertifizierung und den dazugehörigen Inhalten der DGNB immer mehr wächst und das System gerade im Ausland ein außerordentliches Ansehen genießt", so Lemaitre. „Hieran knüpfen wir mit der neuen Version nahtlos an, indem wir allen, die am nachhaltigen Bauen interessiert sind, ein Tool an die Hand geben, das ihnen praktisch weiterhilft, ihre Gebäude besser zu machen."

Die neue Version des DGNB Systems kann kostenfrei als PDF auf der Website der DGNB angefordert werden. Zusätzlich hat die DGNB eine Hintergrundinformation veröffentlicht, in der die wichtigsten Änderungen der Version 2018 zusammengefasst werden. Diese ist ebenfalls online unter www.dgnb-system.de verfügbar.


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Felix Jansen
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DGNB System Version 2018

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Die neue Gewichtung im DGNB System

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Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

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