DGNB
27.02.2018

Hintergrundinformation: Die wichtigsten Änderungen der Version 2018 des DGNB Systems

Nach einer umfassenden Kommentierungsphase im zweiten Halbjahr 2017 hat die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. jetzt die finale Version 2018 des DGNB Zertifizierungssystems für Neubauten veröffentlicht. Diese ist gleich für neun verschiedene Gebäudenutzungstypen gültig. Die folgende Übersicht listet die wichtigsten Änderungen im Vergleich zur vorherigen Version des DGNB Systems auf.

Einführung eines Bonussystems:

  • Bei insgesamt 16 Kriterien hat die DGNB erstmalig Boni integriert, die sich in Form einer Übererfüllung positiv auf das Zertifizierungsergebnis auswirken. Belohnt werden neuartige Lösungen, die das Prinzip der Circular Economy unterstützen oder in besonderem Maße zum Klimaschutz und den weiteren in der Agenda 2030 formulierten Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen beitragen.

Neues Instrument der Innovationsräume:

  • Um das Neue und Mutige zu fördern sowie die planerische Freiheit und Technologieoffenheit zu unterstützen, hat die DGNB bei rund der Hälfte der Kriterien das Instrument der „Innovationsräume" eingeführt. Mit diesen soll aktiv dazu motiviert werden, die bestmöglichen und für das Projekt sinnvollsten Lösungen zu verfolgen. Dabei können neuartige, in den Kriterien noch nicht abgebildete Ansätze in der Bewertung in gleicher Weise anerkannt werden.

Beitrag des Gebäudes zu übergeordneten Nachhaltigkeitszielen:

  • Sämtliche Kriterien wurden im Hinblick auf eine Verlinkung zu den Sustainable Development Goals der UN oder den Zielen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie hin überprüft und die Bezüge transparent gemacht. Damit wird der Beitrag eines Gebäudes zum Erreichen dieser Ziele für den Bauherrn im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsberichterstattung ausweisbar gemacht. Dies soll gleichermaßen für die späteren Nutzer und Betreiber als Motivation dienen, sich an den Nachhaltigkeitszielen auch beim Umgang mit dem Gebäude zu orientieren.

Neu aufgenommene Kriterien:

  • Über das neue Kriterium „Biodiversität" adressiert die DGNB den Beitrag eines Gebäudes zur Förderung der Artenvielfalt. Dabei geht es etwa um eine hohe Grünflächenqualität sowie den Erhalt und die Ansiedlung von Tier- und Pflanzenarten am Standort.
  • Die Kriterien „Nutzerkommunikation" und „FM-gerechte Planung" dienen der Vorbereitung auf einen nachhaltigen Betrieb des Gebäudes. Dies erfolgt zum einen über die frühzeitige sowie kontinuierliche Einbindung der Gebäudenutzer und -betreiber und darüber hinaus über einen „FM Check", der sich frühzeitig mit den wichtigsten Nachhaltigkeitsthemen für das Facility Management auseinandersetzt.

Grundlegend überarbeitete Kriterien:

  • Die beiden bisherigen Kriterien zur „Ökobilanz des Gebäudes" wurden in eines zusammengeführt. Inhaltlich neu ist die stärkere Förderung einer frühen und kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Ökobilanzen bereits im Rahmen der Planung.
  • Um beim Kriterium „Risiken für die lokale Umwelt" eine der höchsten Qualitätsstufen zu erreichen, muss nachgewiesen werden, dass auf der Baustelle eine Materialüberwachung stattgefunden hat.
  • Komplett überarbeitet wurde das Kriterium „Verantwortungsbewusste Ressourcengewinnung", das die ökologischen und sozialen Auswirkungen über die gesamte Wertschöpfungskette eines Produkts – von der Rohstoffgewinnung bis zur Verarbeitung – adressiert. Zudem wird die Verwendung von Sekundärrohstoffen zur Entlastung der Ressourcengewinnung explizit anerkannt und damit gefördert.
  • Beim Kriterium „Gebäudebezogene Kosten im Lebenszyklus" wurden die Benchmarks umfänglich aktualisiert. Außerdem wurden neue Indikatoren eingeführt, die die frühzeitige und kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Lebenszykluskostenrechnung im Rahmen der Planung fördern.
  • Das Kriterium „Innenraumluftqualität" steht nach wie vor als Ausschlusskriterium und die Forderung der Messung für das Qualitätsverständnis der DGNB. In der Überarbeitung wurden die Anforderungen nochmals erhöht und der Zielwert für Formaldehyd weiter abgesenkt. Damit zählt das DGNB System zu den ambitioniertesten weltweit. Bonuspunkte gibt es zudem für besondere Maßnahmen im Bereich des Nichtraucherschutzes sowie zur Reduktion der Feinstaubbelastung durch Kopiergeräte oder Drucker.
  • Das bisherige Kriterium „Anpassungsfähigkeit der technischen Systeme" wurde umfassend überarbeitet und umbenannt in „Einsatz und Integration von Gebäudetechnik". Ziel ist es, eine Gebäudekonzeption mit einer bestmöglichen Nutzung von LowTech-Lösungen und der Einbindung von regenerativen Energien für die erforderlichen technischen Systeme zu erreichen. Zudem soll das Gebäude mit möglichst geringem Aufwand an wechselnde Nutzungsbedingungen sowie an technische Neuerungen angepasst werden können.
  • Beim Kriterium „Immissionsschutz", das künftig bei allen Gebäudenutzungen adressiert wird, wurde das Thema Lichtverschmutzung neu aufgenommen.
  • Im Kriterium „Mobilitätsinfrastruktur" wird die Umsetzung eines Mobilitäts-Sharings genauso belohnt wie Vorrüstungen für ein bidirektionales Laden von Elektrofahrzeugen.
  • Wer das Angebot einer „DGNB Handlungsempfehlung" in Anspruch nimmt oder mit dem DGNB Diamant ausgezeichnet wird, bekommt dies im Kriterium „Verfahren zur städtebaulichen und gestalterischen Konzeption" anerkannt.
  • Neuer Schwerpunkt im Kriterium „Qualitätssicherung auf der Baustelle" ist eine nachweisliche Qualitätssicherung der verwendeten Bauprodukte im Bauprozess. Dies erfolgt über eine spezifische Einweisung der Bauleitung sowie über eine kontinuierliche Prüfung der eingebauten Bauteile und Materialien durch eine entsprechend fachkundige Person. Auch Maßnahmen zur Schimmelpilzprävention werden positiv bewertet.
  • Sämtliche vier Kriterien der Standortqualität wurden angepasst. Sie fokussieren nun nicht mehr ausschließlich auf die Beschreibung der Ist-Situation, sondern fördern die aktive Auseinandersetzung mit der Frage, welche positiven Beiträge das Gebäude im Quartierskontext leisten kann. Dabei werden entsprechend neuartige Angebote für Gebäudenutzer und Externe, z.B. Urban Farming, ebenso belohnt wie eine resiliente, auf verschiedene Umweltrisiken angepasste Bauweise.

Veränderte Gewichtung der Kriterien:

  • Die Kriterien der Standortqualität, die bislang bei der DGNB Zertifizierung lediglich mit ausgewiesen wurden, aber nicht in die Gesamtbewertung mit eingeflossen sind, haben ab sofort zusammengenommen einen Anteil von 5 Prozent am Gesamtergebnis. Hintergrund ist, dass sich aus der aktiven Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten im Quartier für das Gebäude zahlreiche positive Synergien ergeben können. Andersherum kann auch ein Gebäude einen wichtigen Beitrag zur Aufwertung eines Quartiers leisten.
  • Die Prozessqualität wird mit nunmehr 12,5 Prozent etwas stärker gewichtet (vormals 10 Prozent). Damit unterstreicht die DGNB die Bedeutung einer durchgängigen planerischen Begleitung des Bauprozesses für die tatsächlich umgesetzte Nachhaltigkeitsqualität eines Gebäudes.
  • Die Kriterien der Technischen Qualität fließen künftig mit 15 Prozent in die Gesamtbewertung ein (vormals 22,5 Prozent). Dies ist damit begründet, dass das DGNB System grundsätzlich technologieoffen ist und die Auswirkungen für das Gebäude bewertet, die sich aus dem Einsatz einer technologischen Lösung ergeben. Daher sind viele technische Gebäudeaspekte, etwa zur Energieeffizienz oder der Recyclingfähigkeit, innerhalb der Zertifizierung als Querschnittsthemen in anderen Kriterien als Indikatoren oder Boni umfassend mit verankert.
  • Auch bei den Gewichtungen der einzelnen Kriterien kam es zu Verschiebungen. Aufgewertet wurde beispielsweise das Kriterium „Risiken für die lokale Umwelt", das sich mit der Vermeidung von Schad- und Risikostoffen beschäftigt, oder die Innenraumluftqualität.

Optimierte Struktur und Gestaltung:

  • Die Version 2018 ist gleich für neun verschiedene Gebäudetypen anwendbar. Damit wurde eine grundlegende Vereinheitlichung und leichtere Verständlichkeit über die diversen Nutzungsprofile erreicht.
  • Neben den inhaltlichen Änderungen hat die DGNB auch die grundlegende Struktur der Kriterien sowie deren Gestaltung optimiert. So steht jeweils eine erklärende Beschreibung des Ziels und des Nutzens, der sich aus der Anwendung ergibt, am Anfang. Zudem wird ein Ausblick gegeben, in welcher Weise die DGNB plant, das Kriterium bei einer kommenden Versionierung des Systems weiterzuentwickeln.
  • Sämtliche technischen Anhänge wurden im Dokument kenntlich gemacht, sodass eine vereinfachte Orientierung und Lesbarkeit für die Anwender des Systems möglich ist.

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Ihr Ansprechpartner

Felix Jansen
PR Referent
Telefon: +49 711 722322-32
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